kurzer abriss

sie waren unzertrennlich
man sah sie nur zu zwein
denn wo der eine war musste
stets auch der andere sein.

sie wussten längst schon alles
kein quentchen war noch fremd
sie kamen sich so nahe
wie nie der haut ein Hemd

er ging mit ihr zum tanzen
und nahm sie mit zum sport
und seine Kochkunst liebten sie
aßen in einem fort

sie nähte für ihn hemden
und bügelte sie gar
und in intimen dingen
war sie ganz wunderbar…

da sie sich selbst genügten
blieben sie auch allein
gepflegte langeweile
zog bald bei ihnen ein

und bald sah man sie nur noch
mit sich im monolog
sie blickten in die ferne
und ihre nähe trog

erst litten sie ein bisschen
dann kamen sie zum schluss
dass wer sich nichts zu sagen
hat das nicht mehr länger muss

nur ab und an zum kochen
in freundschaft traf man sich
sie gingen auseinander
ein jeder nun für sich

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über mir [4]

19:00

grollendes
räuspern in
wellen schwappt
vorbei mit
dem wind
wirbeln die
abgelegten
kleider des
kirschbaums
wie gischt
drunter und
drüber der
tag verbleicht
im warten
auf die
sintflut im
stroboskopisch
erhellten
schwarz

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über mir [3]

18:00

aus der
tiefe der
milchigen
see schieben
tektonische
verwefungen
türmen sich
hoch inseln
bildend mit
bergen in
wolkigem
grau

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über mir [2]

14:00

das glas
schmolz in
einen milchsee
flocken kleine
sahnewölkchen
buttern wachsen
kreuzen wie
eine armada
getrieben vom
atem eines
fiebrigen tages
in den
gilb

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über mir [1]

09:00

milchglas
hintergrundbeleuchtet
von sonnenstrahlen
erwärmt erheben
sich blecherne
ikarusse stoßen
an ihre
grenzen mit
wächsernen flügeln
schmelzen die
kanten hinterlassen
feine streifen
zerlaufen im
fahl

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