herbstankunft

er hat den teppich ausgerollt
als wollte er ganz leise treten
im fahlen taglicht schimmert er
in rötlich braun, orange und gold

ganz schütter ist der linde haupt
die amseln zogen längst schon aus
es weht durch die leere beletage
der grünen vorhänge beraubt

der hof, bewegungslos, bleibt still
die wolken liegen auf den dächern
noch ist es nicht so richtig kalt
das wetter launisch wie april

doch bis zum frühjahr ist noch zeit
für nebel, schnee, eisige winde
die kahl ertragen muss die linde
bevor ihr wächst ein frisches kleid

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

klage

die abende sind dunkel
das jahr wird langsam alt
da sitze ich nun drinnen
allein, und mir ist kalt

der tee wärmt nur gering mich
es flackert kerzenlicht
das strahlen deiner augen
ersetzt mir beides nicht

und auch genau so wenig
das lasten deiner hand
auf meiner, die darunter
ein sichers obdach fand

als du damals gegangen
nahmst du die wärme fort
kälte schlägt mein Herz nun
und jeden andern ort

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

neuer abschnitt

der september ist noch frisch
er hat sich eingeschichen
zuvor schied mit tamtam august
er ist nicht gern gewichen

er färbte früchte, laubwerk auch
warf sonne und auch regen
er lebte stürmisch und verschwand
september trat verlegen

(so schien es mir) sein amt nun an
behutsam kühl und leise
ich hoffe sehr, dass er so bleibt
ein künstler, leicht und weise

wenn ihm die sonne assistiert
wenn er die welt in herbst verhüllt
bleibt wärme in erinnerung
orange, gelb und braun gefüllt

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

julireim

der sommer wandelt sich allmählich
der glanz verschwand aus all dem grün
hinein gießt sich manch gelber ton
frische ist nur noch illusion
bevor die regen weiter ziehn

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reise durch mitteldeutschland

durch die grüne sommerlandschaft
zieht der bus flink seine bahnen
voller leute die begierig
ihre ziele zu erreichen

ich weiß ja nicht, warum sie reisen
fahren sie fort? kehren sie wieder?
um still die landschaft zu genießen
schaue ich meistens aus dem fenster

raps hat sein gelb längst abgeworfen
und mohn ergießt sich in die felder
indes die hügel näher treten
das dunkle grün der wälder tragend

die sonne hat sich nun verzogen
hinter graudichte wolkenschleier
allein der mohn, die margariten
sie leuchten dennoch aus den wiesen

wie riesen stehn entlang des bandes
aus graubeton mächtige säulen
deren drei finger emsig kreisen
wie um die wolken fortzuschieben

und stets folgt einer hügelkette
schon bald die nächste sanft geschwungen
dazwischen ducken sich die häuschen
von städten und winzigen dörfern

so werde ich nun weiter schauen
auf grünes graues weißes rotes
beständig wird die zeit verfließen
bis endlich ich mein ziel erreiche

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.