zur nacht

der tag ging, und der mond macht halbe sachen
ein scherenschnitt die linde vor dem haus
im hof gespräche, ab und zu ein lachen
die laue nacht lädt ein sie zu durchwachen
doch bald schon gehn die letzten lichter aus

durchs dunkel kommt längst morpheus in die räume
er schenkt den müden schwere für die nacht
verteilt noch allerlei verschiedne träume
streift leis beim abschied raschelnd durch die bäume
dann fällt uns letztlich doch des schlafes macht

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

verlauf

als wäre da ein fremder draht
den heimlich angeklemmt man hat
zieht nur ganz wenig energie
stetig aus deiner batterie
du merkst es kaum, fühlst müde dich
und irgendwann dann reicht es nicht
mehr für ganz alltägliche dinge
als wenn ein gummiseil dran hinge
das dich in der bewegung hemmt
als sei die ganze welt verklemmt
und irgendwann ist sie dann leer
die batterie. nichts regt sich mehr
das laden ist sehr kompliziert
nur selten wird es akzeptiert
dass die maschine abgeschmiert

so wirst du gern dann aussortiert

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

noch nicht mal august

die linden stehen ganz verlassen
die samen hat der wind verweht
braungedörrt ist alles gras
fast will es mr scheinen, dass
der sommer heuer schneller geht

mit ihren stechendheißen strahlen
brennt die sonne alles leben
das wasser löst sich in den lüften
wo risse nun den teichgrund klüften
hier kann es keine kühlung geben

die schattenplätze werden knapper
die welt versammelt unter bäumen
unter dem grünen blätterdach
denk ich über den sommer nach
und will von lauen nächten träumen

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

betrachtung

sie sann in ihre kaffeetasse
wie schwer sie doch das leben fasse
mal gings bergauf, dann wieder runter
grad oben schwimmend ging sie unter
sie strudelte durchs leben hin
angeblich seien da ein sinn
und andre wesen im gewusel
wozu? fragte sie oft den fusel
und wo sind denn nun diese lieben
die sie ertrugen, bei ihr blieben
hielt sie sich meist doch selbst nicht aus
wär gern gegangen, kam nicht raus
aus ihrer allzu dünnen haut
von zweifeln ziemlich aufgeraut
ihr blick fiel auf den schlanken leib
grüngläsern, der des weins verbleib
bis sie zum freund ihn sich erkor
zauberte er doch ein licht hervor
von sinn und stärke ein gefühl
und vom sich trauen, was sie will
fast glaubte sie, dass man sie mag
beschwingt beschloss sie ihren tag
um stillvergnügt ins bett zu gehn
morgens war davon nichts zu sehn
kurz war der rausch und lang das leben
da musst es noch was andres geben …
sie sann in ihre kaffeetasse
wie schwer sie doch das leben fasse
am abend noch die flasche wein
am morgen doch mit sich allein

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

sonntagmorgen

noch ist es still
nur ab und zu
der mauersegler rufe
das licht schlich sich
längst in den tag
der weitsicht zu behufe

noch ist es still
nur irgendwo
dudelt ein radio leise
so sehr ich lauschend
mich bemüh
erkenn ich nicht die weise

noch ist es still
doch nicht mehr lang
dann dringt mit tagesrauschen
das leben in
die stille ein
ich will es leis belauschen

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.