launenhaft

geh ich des morgens aus dem haus
ist es noch finster und sehr kalt
und über nacht hat es geschneit
alles sieht still und friedlich aus

den ganzen tag lang im büro
hat dann die arbeit mich im griff
ob ichs beachte oder nicht
wetter ist draußen sowieso

am abend lösche ich das licht
schließ im büro die tür noch zu
trete auf glänzenden asphalt
im regen. wundere mich nicht

mehr, denn das wetter macht ja doch
stets launenhaft das was es will
wie wird es morgen früh wohl sein?
die überraschung wartet noch…

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

unklare analyse

der himmel krümelt wie ein altes brötchen
die woche dauerte gefühlt ein jahr
der frost beißt schwarze löcher in die nächte
und irgendwie ist nichts mehr wie es war

der mond nimmt zu und lädt uns ein zum träumen
vielleicht vom frühling, bald ist es soweit
doch ist der alltag fordernd und erschöpfend
und lässt für träume aller art nur wenig zeit

es fühlt sich an wie durch das all zu trudeln
man sieht die sterne wohl und kommt nicht an
auch kann aus seiner haut man sich nicht lösen
man braucht doch schutz, damit man atmen kann

so sinkt man gleich den weißen wolkenkrümeln
gefühlt gehts irgendwie immer bergab
vielleicht dass da ein frischer wind mal käme
den fall zu stoppen und man höbe wieder ab…

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

falsche sicherheit

der mond macht sich mit uns gemein
er nimmt gerade zu
gleich uns grad zur vorweihnachtszeit
wird rund und prall im nu

noch ein, zwei spekulatius
ein kipfel und kakao
ein schokoladenstück dazu
das ich in mir verstau

ich frage mich was er wohl nascht
ists stollen ud gebäck?
oder ein honigkuchenmann?
denke und putz ihn schnell weg

streich mir den bauch und bin so froh
dass ich ein vorbild hab
doch wiegt mich falsche sicherheit:
er nimmt bald wieder ab

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

klage der aranea #lyrimo No. 28

da sitze ich und ruhe aus
sehr lang ist schon der faden
bin ich mit mühevoller pflicht
ein leben lang beladen

zuallererst suche ich aus
wohin mein werk ich baue
dann hänge ich den rahmen auf
so fest, dass ich ihm traue

dann lauf ich auf und wieder ab
lass einen stern entstehen
der breitet seine strahlen aus
ganz zart (fast nicht zu sehen)

und wenn der rahmen ausgefüllt
dann laufe ich in runden
verstrebe all die strahlen zart
das dauert viele stunden

wie oft fange von vorn ich an
weil jemand meint, es wäre
mein kleines netzwerk ihm im weg
nicht schlimm, dass ers zerstöre

mich kostets kraft. und dabei bin
ich darauf angewiesen
besorge meine mahlzeit mir
mit netzen wie mit diesem

nun sitz ich hier und ruhe aus
in meines netzes mitte
und habe hunger, bin erschöpft
und hab nur eine bitte:

wenn ihr draußen meiner gewahr
und von dem netz berühret
so schaut euch seine schönheit an
zum schwärmen sie verführet

besonders wenn der morgentau
fällt auf die zarten stränge
und hängt als perlen schimmernd hell
vermehrt des lichts gepränge

dann lasst es hängen, denn ich muss
selbst spinnen mir die seide
muss ich es ständig neu mir baun
wisst, dass ich hunger leide

impuls: “netzwerken”

alle texte lest ihr hier: lyrimo november 2020

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

begegnung #lyrimo No. 22.1

eine hummel brummte sehr
sie war auf einer reise
da kam ihr eine fliege quer
und das noch nicht mal leise

sprach zur fliege: pass nur auf
du hast dich wohl verfahren?
die summte nur und setzte fort
ihr wunderlich gebaren

die hummel, ziemlich ärgerlich
zog weiter mit gebrumme
die fliege rief: du kriegst mich nicht
bin von beruf quersumme!

impuls: “quersumme”

alle texte lest ihr hier: lyrimo november 2020

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.