betrachtung

sie sann in ihre kaffeetasse
wie schwer sie doch das leben fasse
mal gings bergauf, dann wieder runter
grad oben schwimmend ging sie unter
sie strudelte durchs leben hin
angeblich seien da ein sinn
und andre wesen im gewusel
wozu? fragte sie oft den fusel
und wo sind denn nun diese lieben
die sie ertrugen, bei ihr blieben
hielt sie sich meist doch selbst nicht aus
wär gern gegangen, kam nicht raus
aus ihrer allzu dünnen haut
von zweifeln ziemlich aufgeraut
ihr blick fiel auf den schlanken leib
grüngläsern, der des weins verbleib
bis sie zum freund ihn sich erkor
zauberte er doch ein licht hervor
von sinn und stärke ein gefühl
und vom sich trauen, was sie will
fast glaubte sie, dass man sie mag
beschwingt beschloss sie ihren tag
um stillvergnügt ins bett zu gehn
morgens war davon nichts zu sehn
kurz war der rausch und lang das leben
da musst es noch was andres geben …
sie sann in ihre kaffeetasse
wie schwer sie doch das leben fasse
am abend noch die flasche wein
am morgen doch mit sich allein

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

senryū No. 120

wenn alles abfällt
am ende eines tages
bleib hängen bei mir

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pantun [von nähe]

so halte ein, beweg dich nicht
lass deine hand auf meinem arm
du erdest und beruhigst mich
bringst sanftheit mir und hältst mich warm

lass deine hand auf meinem arm
ich schließ die augen im moment
bringst sanftheit mir und hältst mich warm
da alles ungemach verbrennt

ich schließ die augen im moment
gern dehnte ich den augenblick
da alles ungemach verbrennt
bleibt doch ein kleines glück
zurück

gern dehnte ich den augenblick
du erdest und beruhigst mich
bleibt doch ein kleines glück
zurück
so halte ein, beweg dich nicht

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sonntagmorgen

noch ist es still
nur ab und zu
der mauersegler rufe
das licht schlich sich
längst in den tag
der weitsicht zu behufe

noch ist es still
nur irgendwo
dudelt ein radio leise
so sehr ich lauschend
mich bemüh
erkenn ich nicht die weise

noch ist es still
doch nicht mehr lang
dann dringt mit tagesrauschen
das leben in
die stille ein
ich will es leis belauschen

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strandspaziergang

der feine sand rieselt bei jedem schritt
umfließt die nackten füße warm und weich
er zeichnet kurz nur auf wohin man tritt
in der bewegten see löst er es auf zugleich

die leckt mit hundert zungen nass und kühl
bei tag und nacht geschäftig ihren rand
und wenn der wilde wind besonders neckt
rollt eine ihrer wellen weit aufs land

im rückzug gibt sie ihre schätze preis
ein fischernetz das sich im tang verfing
das holz von einem weit entfernten strand

das bruchstück eines kruges schimmert weìß
vom meer ganz blindgeschliffen dieser ring
und muschelschalen überall im sand

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