november-elegie

das jahr wird nun schon langsam schal
ganz trüb ist es und abgestanden
zuweilen sucht ein sonnenstrahl
sommererinnerung zu landen

den parkflaneuren ist der hals
von wollstrickboas nun umwunden
geh nur recht zeitig! andernfalls
verpasst du schnell die hellen stunden

der mond schaut so kalt und klirrend
auf uns aus seinem weltenraum
und orion wandert eisig flirrend

des nachts durch meinen wintertraum
schau ich zum fenster morgens hin
ließ dort der frost die blumen blühn

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

oktober

ich schlendre raschelnd auf den bunten wegen
der teppich blättert den der herbst uns ausgerollt
die beletage der bäume ist recht fadenscheinig
als hätt die sonne auch bei tiefstand freie sicht gewollt

frühmorgens ist die welt noch blind in meinen augen
gut dass die fallende katanie mich nicht fand
zum schutz besinnt man sich wieder auf schirme
am waldesgrund sind auch bei sonne welche aufgespannt

die welt lässt jeden tag mich neu erstaunen
ich schau auf farben, licht und grobe wetterlaunen
und klaube mir altweibersommer aus dem haar

bald wird der goldne ton des lichtes grau verblassen
der kalte winter wird uns dann erfassen
dieweil ich mich schon freu aufs neue jahr

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

so|nett|e eloge

der august dreht nochmals auf
heizt ein mit seiner ganzen kraft
sein gleißend hitziges gebaren
täuscht leicht über der zeiten lauf

längst mischen sich in dichtes grün
hier mal ein gelb und dort ein rot
aus blüten reiften früchte schwer
und vögel wollen südwärts ziehn

genießen wir die sommertage
die süßen früchte, goldnes licht
bald wirds uns fehlen ohne frage

bald wird im schier endlosen dunkel
die welt verändern ihr gesicht
uns bleiben frost und sterngefunkel

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

gedanken am nachmittag

so gern möchte ich einmal mit den wolken reisen
ich sehe sie im lichten blau des himmels ziehen
was sie wohl sehen von oben, dass sie ständig fliehen
so weit über den rotmilanen, die dort jagend kreisen

ich wüsste doch so gern, ob ich die lerche hörte
dieweil von oben schaute ich auf sie herunter
ich wär gern schwerelos und fragte mich mitunter
ob der verlust des standpunkts mich wohl störte

so lass ich nun meine gedanken immer weiter wandern
ich liege rücklings mit geschlossenen augen auf der wiese
und ich verspüre deutlich im kontakt die erdenschwere

und wenn mir jemand spräche auch vom paradiese
beharrte ich darauf, dass ich sehr gern hier wäre
dies ist der beste ort. ich kenne keinen andern

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

verwandlung

nachdenklich blättert der herbst in den kronen der bäume
in sonnigem gelb, in erdigem braun und in feurigem rot
sucht er geschichten des sommers, dass er in der not
der nahenden fahlen zeiten von buntheit kann träumen

schon sinkt die farbenpracht windbewegt auf kalte erde
und der sturm läd sie ungestüm ein mit ihm fort
auf die reise zu gehen zu jenem mystischen ort
wo übers jahr dann ein neues grün aus ihr werde

und die blätter voll freude tanzen verwegen den reigen
wirbeln fort, lassen bäume ganz nackt und einsam zurück
eine einzelne krähe hockt schwarz in den frierenden zweigen

sie versteht nichts vom farbigen herbstblätterglück
hält den kopf schief und starrt. und mit heiserem schrei
ruft mit schlagenden flügeln sie längst schon den winter herbei

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.