verwandlung

nachdenklich blättert der herbst in den kronen der bäume
in sonnigem gelb, in erdigem braun und in feurigem rot
sucht er geschichten des sommers, dass er in der not
der nahenden fahlen zeiten von buntheit kann träumen

schon sinkt die farbenpracht windbewegt auf kalte erde
und der sturm läd sie ungestüm ein mit ihm fort
auf die reise zu gehen zu jenem mystischen ort
wo übers jahr dann ein neues grün aus ihr werde

und die blätter voll freude tanzen verwegen den reigen
wirbeln fort, lassen bäume ganz nackt und einsam zurück
eine einzelne krähe hockt schwarz in den frierenden zweigen

sie versteht nichts vom farbigen herbstblätterglück
hält den kopf schief und starrt. und mit heiserem schrei
ruft mit schlagenden flügeln sie längst schon den winter herbei

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

25. august

erfrischt schütteln die hoflinden die kronen
es ist der wind der übermütig sie umspielt
wolkenwatte hat der sonne strahlen abgekühlt
endlich wieder richtig atmen auf balkonen …

ich schließ die augen, höre leises rauschen
ist der wind, der in den blättern harfe spielt?
ist es der wolken schwere fracht, die zärtlich tröpfelnd kühlt?
bevor ich nachseh, will ich erst noch lauschen

der sommer schnürt sein bündel, wird bald schwinden
macht platz dem herbst mit seinen rauen winden
verdrückt noch ein paar sommerregentränen

bald wird die welt erneut in farbigkeit erblühen
dann alles bunt im nebelgrau verglühen
und in mir wächst ein erstes frühlingssehnen

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

strandspaziergang

der feine sand rieselt bei jedem schritt
umfließt die nackten füße warm und weich
er zeichnet kurz nur auf wohin man tritt
in der bewegten see löst er es auf zugleich

die leckt mit hundert zungen nass und kühl
bei tag und nacht geschäftig ihren rand
und wenn der wilde wind besonders neckt
rollt eine ihrer wellen weit aufs land

im rückzug gibt sie ihre schätze preis
ein fischernetz das sich im tang verfing
das holz von einem weit entfernten strand

das bruchstück eines kruges schimmert weìß
vom meer ganz blindgeschliffen dieser ring
und muschelschalen überall im sand

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

vom wetter

wie dort reisen im endlos grauen wolkenband
milliarden frierend winziger wassertropfen
der rau zerrende wind treibt sie ständig voran
sehnsuchtsvoll schauen sie herab auf das land

schön ein leben lang träumten sie von diesem flug
im weißen spitzenkleid schwebend, kühl und ganz still
noch bleibt es ein traum nur, denn es ist ja dafür
die landschaft hier auf erden längst nicht kalt genug

vielen fehlt die geduld, und sie starten zu früh
vergeben ihre chance auf den tanz im tutu
durchdringen mit grauer schwermut das startende jahr

sie tröpfeln in unsere welt große pfützen
nisten sich feucht ein, auch in unseren mützen
was bleibt uns? zu träumen, wie der winter einst war

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

vom abendhimmel

am abend trug der himmel erstmals wieder winter
du kennst doch dieses farbenspiel, das ich beschreibe?
ich schaute lange hoch zu seinen grauen wolken
nein, keine angst, kein schnee verbirgt sich jetzt dahinter

dieser gewisse farbenschlag ins kühl jedoch gemahnte
mich ziemlich stark an frost und dunkelheit und schnee
so rieb ich fröstelnd mir sogleich die beiden hände
war es schon ein dezemberhauch, den ich gerade ahnte?

zuhause angekommen holte ich sogleich die kerzen
ich setzte wasser auf den herd für starken tee
gestrickte socken ringeln sich an meinen füßen

auf echten winter freue ich mich ganz von herzen
wenn sonne gleißt über ein land ganz unter schnee
dann kann ich auch die eisgen tage sehr genießen

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.