vorstadtwinter

eng stehen sie als müssten sie sich wärmen
einigen fehlt der putz, legt steingerippe frei
zuweilen raucht es noch aus bröckeligen essen
als ob die zeit im frost mit festgefroren sei

die sonne scheint nur in die beletage
bis in die engen schluchten reicht sie nicht
die menschen müssen sich anders behelfen
am tag mit lampen. abends kerzenlicht.

die leute fremd und ohne zeit zum weilen
ganz eingehüllt in viele lagen tuch
ich seh sie frierend durch die gassen eilen

ich hab mich mit den tagen abgefunden
vom lieblingsdichter les ich dann ein buch
und freu im warmen mich an leisen stunden

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

hochsommer

die sonnenblumen senken schon zum grund den blick
der neue wintervorrat reift in ihren Köpfen
dass vögel sich im frost nicht ganz erschöpfen
greifen sie gern auf diesen fetten schmaus zurück

noch spielt der wind nur lau, den übermut gezügelt
und die armada weißer wolken segelt still
der sonne vor der nase, die doch strahlen will
sie weiß genau, dass nur ihr licht die welt beflügelt

das helle grün des frühsommers ist lange schon gewichen
im schattendach der linden herrscht nun ständig viel verkehr
die menschen werden knusprig braun, die haare ausgeblichen

ich halt mich fern der sonne, suche orte wo ein wind weht
im lauf des tages ziehe ich dem schatten hinterher
und schaue auf den sonnenplatz, wo eis essend ein kind steht

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

in diesem augenblick

sanft und hell kommt der abend ganz warm noch gezogen
noch immer hofft ein jeder auf kühlung zur nacht
der wind hat heute seine luft lau und lind genacht
ich träume meine füße kühlten ruhig in meereswogen

das licht schwindet langsam, dass ich mich dran gewöhne
nur noch wenige stimmen mischen sich in den abendhauch
eine taube gurrt und die Mauersegler pflegen den brauch
um die dächer zu rasen. ich höre ihre spitzen töne

ganz aus der ferne tönt eilig ein martinshorn herüber
meine gedanken kreisen und sie finden nirgends halt
einzig der schluss dass ebendieser sommer sicher bald

vergeht wie die blüten an den wundervollen rosenhecken
wo sich schon längst die hagebutten dir entgegenstrecken
ich wollte die zeit hielte an denn nirgends bin ich lieber

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

budleia

träge schwingt der sommerflieder
mit seinen langen dünnen zweigen
wo seine düfte aufwädts steigen
lassen sich kleine krabbler nieder

wie ich mich über gäste freue
welchen die blüten auch gefallen
wer mir der liebste wär von allen?
keins. ich entdecke immer neue

ein distelfalter kommt vorbei
ich hör das summen kleiner bienen
und käfer sah ich schon dabei

so staune ich an jedem tag
wieviele wesen sich bedienen
herbei, wer da noch kommen mag!

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

stadtsommer

das jahr ist auf dem weg sich zu halbieren
längst ist das amselnest im dichten laub versteckt
die jungen haben schon die große welt entdeckt
spreizen die schwingen um das fliegen zu trainieren

die sonne brennt nun ziemlich heiß auf nackte haut
der mensch zeigt wieder bauch und bein und zehen
das stadtvolk lässt am freisitz sich besehen
und in den innenhöfen wird es abends wieder laut

ein duft vom grill zieht samstagabend durch die straßen
wenn menschheit sich erinnert wie die vorfahrn aßen
die ersten blauen blüten treibt duftiger sommerflieder

die amsel singt als gäbs niemals wieder ein morgen
bald muss sie wieder futter für die zweite brut besorgen
ich wünscht es kehrten bald mehr schmetterlinge wieder

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.