stadtsommer

das jahr ist auf dem weg sich zu halbieren
längst ist das amselnest im dichten laub versteckt
die jungen haben schon die große welt entdeckt
spreizen die schwingen um das fliegen zu trainieren

die sonne brennt nun ziemlich heiß auf nackte haut
der mensch zeigt wieder bauch und bein und zehen
das stadtvolk lässt am freisitz sich besehen
und in den innenhöfen wird es abends wieder laut

ein duft vom grill zieht samstagabend durch die straßen
wenn menschheit sich erinnert wie die vorfahrn aßen
die ersten blauen blüten treibt duftiger sommerflieder

die amsel singt als gäbs niemals wieder ein morgen
bald muss sie wieder futter für die zweite brut besorgen
ich wünscht es kehrten bald mehr schmetterlinge wieder

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

happy end

manchmal willst du was dich drückt
nicht mehr länger tragen
deine seele läuft gebückt
nach vielen trüben tagen.

arge gedanken grübelst du
kleben die bitterbösen
wie ein kaugummi am schuh
und lassen sich nicht lösen

bist du endlich heimgekommen
und einen gibts der hört dir zu

befreit dich leicht, diewilen du
einfach nur in den arm genommen

© 2015, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

frühherbst

an ihre blätter häkelt die kastanie braune spitzen
die dunklen nächte sind nun schon empfindlich kühl
der himmel trägt Merino in verschiedenem grauton
die sonne schafft es durch das grau zu blitzen

der wind wird ungestüm und rüttelt an den zweigen
der weiße wein ist prall und hellt von innen auf
der feuchte wald ist voll von allerlei gerüchen
im holz, dort wo sich hundert kleine schirme zeigen

ich greife meinen korb und fülle mit maronen
ihn und mit butterpilzen bis zum obren rand
heut abend wird ein würzig mahl den ausflug lohnen

im heimgehn deckten meine frisch geborgnen schätzchen
die heide die ich brach, die gräser die ich fand
so weise ich dem herbst in meinem haus ein plätzchen

© 2015, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

erinnerung

einmal wieder mit dir durch die tage wandeln
unbeschwert und froh wie einst vor langer zeit
als wir kleine schätze voller ehrfurcht bargen
um abends ernst um ihren tausch zu handeln

neulich fand den hühnergott ich wieder
wir staunten durch sein Loch den himmel an
wir träumten dass wir wie die sterne zögen
und nachts von oben blinzelten hernieder

ich spüre still für mich des steines kühle
ich wiege ihn ganz sacht in meiner hand
und mir wird klar wie lange du schon schweigst

ich seh den ort wo ich den stein einst fand
ich misse wie du dich zu mir hin beugst
und wirbelst mir durch allerlei gefühle

© 2015, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

[Wie ist der Lenz] Sonett

Schon zeigen sich die kleinen grünen Spitzen
an meinem Fliederbäumchen vor dem Haus.
Mit Macht zieht es uns nun ins Freie raus,
wo zwischen Gräsern Gänseblümchen blitzen.

Der Winter hat wohl noch nicht aufgegeben.
Ganz eisig fährt er manchmal noch herein.
Doch bald schon wird die Sonne stärker sein.
Mit ihren Strahlen lockt sie neues Leben.

Die Amseln zetern wieder, was das Zeug hält.
Es geht wohl um den besten Platz im Baum.
Durchs Fenster höre ich, wie fern ein Hund bellt.

Nachts schleicht die Liebe sich in meinen Traum.
Im Blumenkasten leuchten Hyazinthen
wie frisch gefärbt in königsblauen Tinten.

© 2015, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.