begebenheit

auf dem heimweg geschah es, dass mich etwas striff
an meiner stirne und mit einem klacken fiel
o ja, es schmerzte!unwillkürlich griff
ich nach dem ort, der eben war das ziel

ich spähte suchend aus, womit ich kollidiert
die alte kastanie hatte mich beschmissen
die frucht, in igelschale hübsch drapiert,
ließ alle anzeichen von reue missen

schon bald verflog bei mir mein rascher zorn
ich hob das früchtchen auf, steckte es ein
zwar schwoll mir nun ein schmerzhaft rötlich horn

doch dacht ich mir, es könnte schließlich sein
dass der kastanie wurd der herbst zu schwer
und nur zufällig kam grad ich daher

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

wolkenzug [ostwärts]

am abendhimmel zieht des müden tages herde
hunderte wolkenlämmer drängen dicht an dicht
die ohren spitz ich, hör ich sie doch nicht
versuche sie zu zählen als ich müde werde

in wild verwegner jagd seh ich noch kreisen
die mauersegler flink mit spitzem schrein
sie könnten fast des schäfers hütehunde sein
die klug den ziehenden die rechte richtung weisen

es ist so still der wolken art sich zu bewegen
als wär sie ihr zuhaus ziehn sie der nacht entgegen
als könnten sie der sonne glanz nicht widerstehn

sie fürchten nicht des mondes wandelscheibe
vorwärts ins dunkel drängen ihre weißen leibe
die sonne werden sie besonders zeitig sehn

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

vorstadtwinter

eng stehen sie als müssten sie sich wärmen
einigen fehlt der putz, legt steingerippe frei
zuweilen raucht es noch aus bröckeligen essen
als ob die zeit im frost mit festgefroren sei

die sonne scheint nur in die beletage
bis in die engen schluchten reicht sie nicht
die menschen müssen sich anders behelfen
am tag mit lampen. abends kerzenlicht.

die leute fremd und ohne zeit zum weilen
ganz eingehüllt in viele lagen tuch
ich seh sie frierend durch die gassen eilen

ich hab mich mit den tagen abgefunden
vom lieblingsdichter les ich dann ein buch
und freu im warmen mich an leisen stunden

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hochsommer

die sonnenblumen senken schon zum grund den blick
der neue wintervorrat reift in ihren Köpfen
dass vögel sich im frost nicht ganz erschöpfen
greifen sie gern auf diesen fetten schmaus zurück

noch spielt der wind nur lau, den übermut gezügelt
und die armada weißer wolken segelt still
der sonne vor der nase, die doch strahlen will
sie weiß genau, dass nur ihr licht die welt beflügelt

das helle grün des frühsommers ist lange schon gewichen
im schattendach der linden herrscht nun ständig viel verkehr
die menschen werden knusprig braun, die haare ausgeblichen

ich halt mich fern der sonne, suche orte wo ein wind weht
im lauf des tages ziehe ich dem schatten hinterher
und schaue auf den sonnenplatz, wo eis essend ein kind steht

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

in diesem augenblick

sanft und hell kommt der abend ganz warm noch gezogen
noch immer hofft ein jeder auf kühlung zur nacht
der wind hat heute seine luft lau und lind genacht
ich träume meine füße kühlten ruhig in meereswogen

das licht schwindet langsam, dass ich mich dran gewöhne
nur noch wenige stimmen mischen sich in den abendhauch
eine taube gurrt und die Mauersegler pflegen den brauch
um die dächer zu rasen. ich höre ihre spitzen töne

ganz aus der ferne tönt eilig ein martinshorn herüber
meine gedanken kreisen und sie finden nirgends halt
einzig der schluss dass ebendieser sommer sicher bald

vergeht wie die blüten an den wundervollen rosenhecken
wo sich schon längst die hagebutten dir entgegenstrecken
ich wollte die zeit hielte an denn nirgends bin ich lieber

© 2016, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.