abendreim

dieser abend kam heimlich
und der sturm zog längst weiter
morgens wolkenverhangen
ward, als mittag vergangen
in der dämmerungsstunde
tages himmel noch heiter

ob wir heute erfahren
wieviel sternlein dort stehen?
schickt der wind pfeifend wieder
neues wolkengefieder?
bleibst du wach, statt zu träumen
wirst du es sicher sehen

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

wie neu

auf einer langen bank saß
still ein einsames leben
der es tragen gesollt
hatte achtlos es eben
nur zur seite gelegt
beim karrieremästen
es behinderte ihn
hing an seitenästen
und es bremste zuweilen
oder stoppte ihn ganz
das war wirklich nicht dienlich
seiner jagd nach dem glanz
achtlos jagte er weiter
hatt das leben vergessen
das seit jahren sehnsüchtig
auf der bank still gesessen
bis sein herz eines tages
einen schlusspunkt ihm setzt
er verschwindet. seinen ruhm
nur erinnert man jetzt
eingraviert mit majuskeln
in ein stück vom granit
und ein leben sitzt da
denkt daran wie es litt
so ganz ungelebt bleibt es
und es träumt jenen tag
dass es jemandem passe
der es gern füllen mag

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

kreislauf

als das wort ging
blieb nur schwere
als er fortging
wuchs die leere

und sie weinte
hob die hände
denn sie meinte
es wär das ende

konnt nur bangen
fühlt sich müde
erst nach langem
kam der friede

trauen wollt sie
lang sich nicht
mühsam nur wuchs
zuversicht

fort irgendwann
trauer und zorn
beim nächsten dann
alles von vorn

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wirklichkeit und ideal

wie der winter graubehangen
aus den tiefen himmeln tropft
hör nur wie sein kalter knöchel
hart an unser fenster klopft

weiter südwärts ist es anders
weiß wird dort die welt verhüllt
legt stille schwer sich auf die erde
radiert konturen aus dem bild

ja der schnee gehört zum winter
doch zuviel sollt es nicht sein
ein feiner teppich allerorten
bei leichtem frost und sonnenschein

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

fast wie winter

heute fiel endlich schnee
doch es war viel zu warm
wie ganz leicht er doch schwebte
dann am grund schnell verklebte
ganz am ende dann wuchs
auf der straße ein see

ach wie wäre es schön
deckte ein sich die welt
wärn die kratzer, die schrunden
eine zeit lang verschwunden
und im sonnigen frost
knirscht es leise beim gehn

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