nachtreim

liebes mondkalb deine bleichen
wangen hellen mir die nacht
fandest wohl nicht deinesgleichen
hast wölkchenschafe mitgebracht

sie grasen in den schwarzen auen
mit sternenblumen übersät
welche verblassen wenn zum blauen
tag die nacht dann übergeht

und dein weg hat dann schon lange
dich aus meinem blick geführt
du kehrst wieder in dem zwange
der dich an die erde schnürt

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

elegie #frapalymo No. 1

ich zähle die regentropfen an den zweigen
und ich erinnere noch einmal wie es war
du warst so ernst und wolltest nicht mehr bleiben
ich schwieg, denn du sprachst so unglaublich klar

und ich erinnere noch einmal wie es war
ich ahnte nicht was zwischen uns nun stand
ich schwieg, denn du sprachst so unglaublich klar
dass meine eignen worte ich nicht fand

ich ahnte nicht was zwischen uns nun stand
wir lebten lang schon in sprachlosigkeit
dass meine eignen worte ich nicht fand
wir haben uns verloren mit der zeit

wir lebten lang schon in sprachlosigkeit
du warst so ernst und wolltest nicht mehr bleiben
wir haben uns verloren mit der zeit
ich zähle die regentropfen an den zweigen

impuls: „ich zähle die regentropfen an den zweigen“ nach Hilde Domin:„abzählen der regenbogenschnur“

alle texte lest ihr hier: #frapalymo 1nov17: zahlenspiel

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

vom abendhimmel

am abend trug der himmel erstmals wieder winter
du kennst doch dieses farbenspiel, das ich beschreibe?
ich schaute lange hoch zu seinen grauen wolken
nein, keine angst, kein schnee verbirgt sich jetzt dahinter

dieser gewisse farbenschlag ins kühl jedoch gemahnte
mich ziemlich stark an frost und dunkelheit und schnee
so rieb ich fröstelnd mir sogleich die beiden hände
war es schon ein dezemberhauch, den ich gerade ahnte?

zuhause angekommen holte ich sogleich die kerzen
ich setzte wasser auf den herd für starken tee
gestrickte socken ringeln sich an meinen füßen

auf echten winter freue ich mich ganz von herzen
wenn sonne gleißt über ein land ganz unter schnee
dann kann ich auch die eisgen tage sehr genießen

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

wetterumschwung

dieser tag war fadenscheinig
nichts von dichte war da mehr
die helle dimmten schleierwolken
die lindenkronen restlos leer

wind durchfuhr den dicken teppich
bunter blätter auf den plätzen
und ich muss das fein gewebte
nun durch wolliges ersetzen

ist der goldne herbst vorüber?
fragend seh ich zum kalender
droht nun schon novemberkälte?

diese zeit des reifen jahres
ist nicht einfach zu ertragen
kommt ein winter, gehts dann wieder.

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

begebenheit

auf dem heimweg geschah es, dass mich etwas striff
an meiner stirne und mit einem klacken fiel
o ja, es schmerzte!unwillkürlich griff
ich nach dem ort, der eben war das ziel

ich spähte suchend aus, womit ich kollidiert
die alte kastanie hatte mich beschmissen
die frucht, in igelschale hübsch drapiert,
ließ alle anzeichen von reue missen

schon bald verflog bei mir mein rascher zorn
ich hob das früchtchen auf, steckte es ein
zwar schwoll mir nun ein schmerzhaft rötlich horn

doch dacht ich mir, es könnte schließlich sein
dass der kastanie wurd der herbst zu schwer
und nur zufällig kam grad ich daher

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.