an den mond

lieber mond, ich sah mit sorgen
du verdünnst dich nacht für nacht
habe gedanken mir gemacht
ob ich noch sehen kann dich morgen

als du heute früh versunken
schienst du dünn und blass und stille
entbehrte doch die nacht der kühle
sag: hast du genug getrunken?

oder schlug dir eine grippe
gar ein ärger auf den magen?
schrumpfst du weiter, muss ich sagen,
morgen bist du ein gerippe

lieber mond, du solltest wissen
wenn ich schlaflos nachts mich quäle
und dann endlos sterne zähle
will ich dich dabei nicht missen

also sei einsichtig, du
iss recht viel und nimm fix zu!

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

klage einer verlassenen

da sitz ich in der leere
das licht ist aus. ich bin allein
ich möcht im schmerz am liebsten schrein
wenns doch erlösung wäre!
und ständig diese frage
wie kamen wir uns nur so fern?
mochten uns doch…irgendwie gern
wann drehte sich die lage?
du bist einfach verschwunden
ließest mir keine antwort hier
dass ich den harten schritt von dir
doch leichter hätt verwunden
ich seh des himmels schwärze
so abgeschnitten fühl ich mich
ich leide und berausche mich
am übergroßen schmerze
ich fühl mich gänzlich öde
und weiß nicht recht wie mir geschah
wo gestern ich romantik sah
glotzt jetzt der mond nur blöde

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

markttag

unter blau linierten dächern
licht, diffus und leicht gedunkelt
bunt und grün auf allen tischen
die augen gehen einem über

licht, diffus und leicht gedunkelt
trifft auf blumen und tomaten
die augen gehen einem über
junge männer, spargel preisend

trifft auf blumen und tomaten
steckling klein und trockenkräuter
junge männer, spargel preisend
lächeln um zum ziel zu kommen

steckling klein und trockenkräuter
mustert eine alte dame
lächeln um zum ziel zu kommen
hilft ihr nicht, sie sucht erinnrung

mustert eine alte dame
bunt und grün auf allen tischen
hilft ihr nicht, sie sucht erinnrung
unter blau linierten dächern

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

schnupfen

es ist ein quellen, triefen
stark ist es und beständig
als ob dir innewändig
die wasserhähne liefen

wie zwickt es ohne ende
du kannst kaum atem fassen
das schicksal muss dich hassen
setzt deine haut in brände

du kannst die welt nicht riechen
und ständig musst du putzen
gering ist nur der nutzen
schon bald wills weiter kriechen

aus deiner stirn ins freie
ein taschentuch her, schnell!
durch dein auslaufmodell
quillts zwickend schon aufs neue

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

herolde

ach buchfink, deine melodie
ist mir der soundtrack dieser tage
denn alle stunden hör ich sie

und amsel, die du oben hockst
dort auf den allerhöchsten giebeln
wie mit dem flöten du mich lockst

weithin erschallt der meisenschlag
ich frage mich, wie dieser winzling
so laut zu tönen wohl vermag

ein hoher schrei lenkt meinen blick
ankündigend den nahen sommer
die mauersegler sind zurück!

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.