ent|täuscht

sie saßen bequem in den sesseln
und verstanden die welt nicht mehr
sie hielten sich fest an den händen
und schwiegen doch ratlos einher

sie dachten daran, wie sie damals
sich verliebten mit nur einem blick
nur sich brauchten und niemals mehr andre
und für ewig gemacht schien das glück

doch nun können sie sich nicht erklären
was da schief lief im laufe der zeit
dort inmitten zerborstener träume
mrken sie wie die einsamkeit schreit

in dem wunsch, alles solle so bleiben
froren sie in der illusion ein
die fassade bekam erste risse
und die wirklichkeit tröpfelte ein

und da saßen sie nun in den sesseln
sie erkannten den andern nur schwer
als ihr händedruck langsam sich löste
vermissten sie sich schon nicht mehr

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vom pflanzen

warme krume
rieselt durch
grabende hände
bettet die
schößlinge in
die weiche erde
im nächten jahr
dann werden sie
sacht über
blüten streichen
bis eines tages
eine frucht sie
bergen

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jungfernrebe

die blätter sind
schon errötet
das grün der
beerendolden
überzieht sich
allmählich mit
blauem samt

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langsamer abschied

nein
er will bleiben
noch ein wenig
bevor er so lang
in der ferne
weilen muss
und so wirft er
noch einmal alles
in den ring
juliwärme und
sonnengold
kräftige farben
und fruchtige süße
auch ich möchte
ihn halten und
kann es doch nicht
und so lasse ich
ihn langsam gehen

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haiku No. 413

wolkenwattenacht
die sterne befreit erst des
frühmondes sichel

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