rezeptur

einen tee
gegen das
kratzen im Hals
eine decke
gegen das
zitternde frieren
eine tablette
gegen das
poltern im schädel
gegen das
verlassenheitsgefühl
ein ‘ich
hab dich lieb’

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ein morgen

es ist noch früh, nicht richtig hell
ich mag mich jetzt noch gar nicht rühren
und lausche still dem morgen nach
der wind heult, irgendwo gebell

die nacht war kurz, und müdigkeit
grinst mich durch kleine augen an
die sonne bleibt heut wohl geheim
und es hat wieder nicht geschneit

und doch: was gilts? heut abend dann
sind all die lieben traut versammelt
vor dem geschmückten weihnachtsbaum
und zünden seine kerzen an

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kurzer abriss

– meiner großmutter –

dein start
ins leben
war holprig
doch warst du
jemandem willkommen
mitten im winter
nach diesem krieg
du hattest
viele jahre
reich an arbeit
und sorge war
deine schwester
das leben
entdecktest du
spät erst

doch nun war es
ruhig geworden in
gesellschaft der
krankheit ein
blasser gast
lang dein ringen
mit ihm bis
es dich
ließ

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meinem sohn

ich bin
stolz auf dich
ich sage
es dir gern
ob es
mich auch so
genierte
hätte es mir
einst jemand
gesagt?

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abschied

ein
paar stühle
drei reihen
ausgerichtet
nach
der säule
worauf dein
bild steht
wo meine
augen weilen
dann weiter
wandern
am säulenfuß
die blumengestecke
arrangiert von
geübten händen
wir treffen
noch einmal auf
einander in den
worten der
pfarrerin in
deiner geschichte
nun komprimiert
in minuten
ich forsche in
deinem gesicht
suche dein leben
verwahrt in der
urne nun
mein gott
denke ich
das ist
alles

meiner großmutter christiana (20.12.1918 – 05.02.2017)

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