senryū No. 116

das tagesende
hinterließ nichts als dunkel
das laute schluckend

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der kater

ich
sah ihn
nie zuvor
wie er sich
in den schatten
des mauerwerks
drückt bei
seiner streife
durch das quartier
kurz inne hält
vor dem queren
der asphaltschneise
um dann weiter
zu wandern
ein wenig unwuchtig
unterbricht ein
vierter schritt
das gleichmaß der
drei zuvor wieder
und wieder kurz
sichtbar die
kahle stelle
hinter dem ohr
er muss hier
neu sein
wo immer er
her kam folgte
ihm seine
geschichte

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was ich euch wünsche?

begehbare wege
(gemeinsam/alleine)
gedanken, gefühle
(große und kleine)
immer ein brot um
den hunger zu stillen
ein sauberes wasser
zum trinken und kühlen
einen ort zum wohnen
fest und sicher gebaut
und menschen denen zu
vertrauen man sich traut
meinen wunsch aufzuschreiben
finde ich gar nicht leicht
wollt ihr mehr? wünschts euch selber
denn ich glaube, das reicht

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kurzer abriss

– meiner großmutter –

dein start
ins leben
war holprig
doch warst du
jemandem willkommen
mitten im winter
nach diesem krieg
du hattest
viele jahre
reich an arbeit
und sorge war
deine schwester
das leben
entdecktest du
spät erst

doch nun war es
ruhig geworden in
gesellschaft der
krankheit ein
blasser gast
lang dein ringen
mit ihm bis
es dich
ließ

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windiger tag

fährt
ein wilder wind
durch die straßen
treibt loses
vor sich her
sucht widerstand
gleitet den
alleebäumen durch
nackte fingerzweige
nistet in meiner mütze
einen augenblick
rastloser
bevor er übermütig
weiter zieht

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