crescendo

draußen
lass den sturm
mit seinem serpent
den generalbass proben
das warme furnier
deiner zargen
vibriert deinen
herzschlag uns
zum takt der
sanftmolligen melodie
zupf du mir meine
saiten streich mich
bis wir uns verlieren
im dur des jubilo

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richtigstellung

ich dichte nicht
ich denke
zuweilen schreib ichs hin
und wenn meine gedanken
an schönen worten ranken
dann wird mir leichter
weil ich ihrer dann
entbunden bin

du kannst das
ganze lesen
und dennoch gehst du fehl
zu meinen all dies
hätte art
dein irrend lob es
trifft mich hart
weil ich ganz sicher
und bestimmt nicht
zu den dichtern zähl

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seufzer

ach
dass an schlanken
dünnen zweigen
sich bald gelbe
blüten zeigen
wenn
dicke graue
wolkendecken
der warmen sonne
strahl verdecken
was
bereitet uns
dann wonnen?
hunderte
forsythiensonnen

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vollmond

ach mond! du silbrig rundes ding
du wanderst einsam durch die nacht
woher ichs weiß? hab dich gesehen
hab ja kein auge zugemacht

kein wölkchen trübte meinen blick
du strahltest hell in meine welt
ich folgte dir mit wachen augen
der schlaf hat sich nicht eingestellt

schon neigt die nacht dem ende sich
du zogst längst fort aus meinem blick
wenn später ich am kaffee nippe
denk müde ich an dich zurück

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ab.wesen.heit #frapalywo No. 4

dein
kopf
dein herz anderswo
dein mund
nimmt überhand
bläst an und aus
dein gesicht
an dir
erklär
staunen schlägt
hoch
überfüllt die luft
vom wilden
land
durch grotten ins korallenbett
scheu
die herrlichste
hätte ich nur
flügel unter
wasser
die welle an der hand
arglos tritt
einen andern
erklär mir was
sollt ich
denken?
du sagst:
nichts

impuls: „schreibt ein erasure gedicht: streicht also all das weg, das ihr nicht nutzen wollt bzw. behaltet nur die wörter, die ihr haben wollt und verändert dabei nicht die reihenfolge. material für euren text ist das gedicht das gedicht „erklär mir, liebe“ von ingeborg bachmann.

alle texte lest ihr hier: #frapalywo tag 4, text 4 – erasure gedicht/geborgte worte

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