der kater

ich
sah ihn
nie zuvor
wie er sich
in den schatten
des mauerwerks
drückt bei
seiner streife
durch das quartier
kurz inne hält
vor dem queren
der asphaltschneise
um dann weiter
zu wandern
ein wenig unwuchtig
unterbricht ein
vierter schritt
das gleichmaß der
drei zuvor wieder
und wieder kurz
sichtbar die
kahle stelle
hinter dem ohr
er muss hier
neu sein
wo immer er
her kam folgte
ihm seine
geschichte

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

klage

Ach bittrer Winter, wie bist du kalt.
Du hast entlaubet den grünen Wald.
Du hast verblüht die Blümlein auf der Heiden. (Volksweise)

kalt bist du
und dunkel oft auch
die tage kriechen
so zäh dahin
ich merke wie
das licht mir fehlt
die schwere weicht mir
nicht aus dem sinn

wo ist der schnee
der doch die tage
mit seinem glitzer
weiß erhellt?
wo ist der frost
der aus graukalten nebeln
schafft eine raureif
verzauberte welt?

der schlitten aus
den kindertagen
langweit sich im keller
schon lange zeit
unsere urenkel
werden bald fragen
wieso wir am winter uns
einst so erfreut

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

haiku No. 351

still steht noch die welt
die ich vom fenster sehe
licht fließt langsam ein

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

haiku No. 349

blau wächst zögerlich
im spaltend ziehenden grau
einen moment lang

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

vom wetter

wie dort reisen im endlos grauen wolkenband
milliarden frierend winziger wassertropfen
der rau zerrende wind treibt sie ständig voran
sehnsuchtsvoll schauen sie herab auf das land

schön ein leben lang träumten sie von diesem flug
im weißen spitzenkleid schwebend, kühl und ganz still
noch bleibt es ein traum nur, denn es ist ja dafür
die landschaft hier auf erden längst nicht kalt genug

vielen fehlt die geduld, und sie starten zu früh
vergeben ihre chance auf den tanz im tutu
durchdringen mit grauer schwermut das startende jahr

sie tröpfeln in unsere welt große pfützen
nisten sich feucht ein, auch in unseren mützen
was bleibt uns? zu träumen, wie der winter einst war

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.