wendepunkt

sie schrieb viel. eigentlich schrieb sie ständig
sie beschrieb ihre ansicht vom leben
und sie fühlte sich dann sehr lebendig

so viel liebe war in ihren worten
von den menschen, die tief sich verbunden
die da lebten an herrlichen orten

wenn das böse hereinbrach zuweilen
fand sich immer ein mutiger held
rasch dem guten zu hilfe zu eilen

ihre erzählungen brachten viel ein
denn auch andere lasen es gern
so konnte sie selbst doch ganz glücklich sein

über jahre hatt sie vergessen
dass sie auch andrer menschen bedurfte
sie vereinsamte unterdessen

eines tages war es, dass die sätze
nicht mehr flossen, die quelle versiegt
und da saß sie, inmitten der schätze

sie ging raus in die welt (wie sie meinte
war die liebevoll, hilfreich und gut)
was sie wahrnahm, erschreckte. sie weinte

so viel armut an denken und dingen
so viel hass und gier, elend und kampf
so viel kraft brauchts um würde zu ringen

und sie rang auch ganz tief in ihr drinnen
ihr war klar sie konnt nie mehr zurück
denn nun musste ihr leben beginnen

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

kette

sie sah ihn
später erst nahm sie
ihn wahr
seinen duft seinen blick
seine hände
seine worte freilich
erinnerte sie nicht
sie wurden belanglos
und waren schon
bald am ende

irgendwann
wieder traf sie jemanden
der konnte sie mit worten berühren
er sprach so zärtlich
doch er kam ihr so nah
dss wollte die luft
ihr abschnüren

sie traf auch noch
andere auf ihrem weg
sie waren witzig und
zärtlich und klug
und stets meinte sie
dass es diesmal nun sei
dass die liebe bis in
ewigkeit trug

immer wieder dauert
die ewigkeit
nicht so lange wie
sie es soll
und allein geht sie
weiter
bis sie wieder
wen trifft
und sie pfeift sich
ein liedchen
(in moll)

© 2018, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

traum

heute nacht träumte ich von einem lächeln
als ich es traf war es ziemlich allein
losgelöst war es von jeder person
und es lud mich zum mitlächeln ein

ich fand die idee ganz entzückend
und so freute ich mich, lächelte mit
doch nach kurzer zeit merkte ich schmerzlich
wie mein lächeln mir langsam entglitt

nun im traum sah ich einsame lächeln
ihre menschen fehlten ihnen doch
und im spiegel sah ich wo mein lächeln einst war
ein nichts sagendes riesiges loch.

© 2017, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.