abends

ich hab heut
keinen mond für dich
ich halte ihn versteckt
wenn du mich
nach den gründen fragst
da halt ich mich bedeckt
so spricht der abend
dunstig grau
verweist mich auf die nacht
die wolle keine
klarheit heut
habe wolken mitgebracht
ich schaue
fragend hin zur nacht
säh ich den mond doch gern
sie schüttelt
lächelnd ihren kopf
heut weder mond noch stern

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sommertag

s’ist reisezeit. die lindenkinder trudeln
ganz wild propellernd in die unbekannte ferne
vom wind geleitet reisen sie in rudeln
so unter sich zu sein, das mögen sie wohl gerne

die noch bei mutter linde kleben, denen
droht dunkler himmel dumpf grollend und blitzenden blicks
lässt tränen regnen, will, dass sie sich wähnen
sich selbst beraubend so des einzig wahren glücks

ich sehe sie, ganz starre, ganz mobile
und ich muss schmunzeln, ists doch, dass ich kenne
von beider art auch menschen ziemlich viele
das denk ich, während vor dem sturm ich heimwärts renne

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ahnungslos

wie wollen wir verfahren?
die frage hat gefehlt
als sie vor vielen jahren
durchs leben sich gequält

sie hatten sich verfahren
in ihrer zweisamkeit
verliebt, nicht im gewahren
was sich ändert mit der zeit

und nun, nach all den jahren
schaun sie sich ratlos an:
wie das was sie sich waren
so leicht vergehen kann

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aprilreim

die tulpen strecken ihre kelche
hinauf in richtung himmelblau
was sie da wohl sammeln wollen?
ich weiß es auch nicht so genau

halt ich mein glas unter die quelle
dann tropft ein kühles wasser ein
das ist wohl nicht das ziel der blumen
sie fangen sich den sonnenschein

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irritation

heute in der nacht erschien
ein schwarzer rabe mir im traum
finster wars, kein mond schien dort
und den vogel sah ich kaum

im gegenteil, zuallererst
erschrak ich durch sein heisres ‚krah‘
ich äugelte dann ziemlich lang
ins schwarz bis ich ihn endlich sah

und eigentlich sah ich auch gar
nicht ihn, nur seinen silbern blick
ich schaut ihn an und nickte leicht
und meint, er nickte auch zurück

das war es schon, und mehr ist dann
auch wirklich gar nicht mehr passiert
als was ich grade schilderte
und doch hat es mich irritiert

nein, nicht das ‚krah‘, das silberaug
des raben in der dunklen nacht
doch warum hab ich die im traum
denn nicht im warmen bett verbracht?

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