unklare analyse

der himmel krümelt wie ein altes brötchen
die woche dauerte gefühlt ein jahr
der frost beißt schwarze löcher in die nächte
und irgendwie ist nichts mehr wie es war

der mond nimmt zu und lädt uns ein zum träumen
vielleicht vom frühling, bald ist es soweit
doch ist der alltag fordernd und erschöpfend
und lässt für träume aller art nur wenig zeit

es fühlt sich an wie durch das all zu trudeln
man sieht die sterne wohl und kommt nicht an
auch kann aus seiner haut man sich nicht lösen
man braucht doch schutz, damit man atmen kann

so sinkt man gleich den weißen wolkenkrümeln
gefühlt gehts irgendwie immer bergab
vielleicht dass da ein frischer wind mal käme
den fall zu stoppen und man höbe wieder ab…

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

falsche sicherheit

der mond macht sich mit uns gemein
er nimmt gerade zu
gleich uns grad zur vorweihnachtszeit
wird rund und prall im nu

noch ein, zwei spekulatius
ein kipfel und kakao
ein schokoladenstück dazu
das ich in mir verstau

ich frage mich was er wohl nascht
ists stollen ud gebäck?
oder ein honigkuchenmann?
denke und putz ihn schnell weg

streich mir den bauch und bin so froh
dass ich ein vorbild hab
doch wiegt mich falsche sicherheit:
er nimmt bald wieder ab

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

klage der aranea #lyrimo No. 28

da sitze ich und ruhe aus
sehr lang ist schon der faden
bin ich mit mühevoller pflicht
ein leben lang beladen

zuallererst suche ich aus
wohin mein werk ich baue
dann hänge ich den rahmen auf
so fest, dass ich ihm traue

dann lauf ich auf und wieder ab
lass einen stern entstehen
der breitet seine strahlen aus
ganz zart (fast nicht zu sehen)

und wenn der rahmen ausgefüllt
dann laufe ich in runden
verstrebe all die strahlen zart
das dauert viele stunden

wie oft fange von vorn ich an
weil jemand meint, es wäre
mein kleines netzwerk ihm im weg
nicht schlimm, dass ers zerstöre

mich kostets kraft. und dabei bin
ich darauf angewiesen
besorge meine mahlzeit mir
mit netzen wie mit diesem

nun sitz ich hier und ruhe aus
in meines netzes mitte
und habe hunger, bin erschöpft
und hab nur eine bitte:

wenn ihr draußen meiner gewahr
und von dem netz berühret
so schaut euch seine schönheit an
zum schwärmen sie verführet

besonders wenn der morgentau
fällt auf die zarten stränge
und hängt als perlen schimmernd hell
vermehrt des lichts gepränge

dann lasst es hängen, denn ich muss
selbst spinnen mir die seide
muss ich es ständig neu mir baun
wisst, dass ich hunger leide

impuls: “netzwerken”

alle texte lest ihr hier: lyrimo november 2020

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

begegnung #lyrimo No. 22.1

eine hummel brummte sehr
sie war auf einer reise
da kam ihr eine fliege quer
und das noch nicht mal leise

sprach zur fliege: pass nur auf
du hast dich wohl verfahren?
die summte nur und setzte fort
ihr wunderlich gebaren

die hummel, ziemlich ärgerlich
zog weiter mit gebrumme
die fliege rief: du kriegst mich nicht
bin von beruf quersumme!

impuls: “quersumme”

alle texte lest ihr hier: lyrimo november 2020

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

fazit

der abend kommt, der tag legt sich schon schlafen
er scheint viel früher müde jetzt zu sein
ein jeder sollte seines glücks sich freun
der für die nacht sich weiß in sichrem hafen

die wege durch die welt scheinen beschwerlich
für jeden anders, was dem einen leicht,
erschwert dem nächsten, dass er auch erreicht,
was ihm erstrebenswert und unentbehrlich

zuweilen wirken auch die kurzen tage zähe
und lachen ist doch oft das pfeifen nur im wald
mit wundgekrochnem zahnfleisch hoffend, bald
käme zeit, in der es wieder leichter gehe

so ankert man am abend an der mole
und dieses tages bleiern graue müdigkeit
deckt alles zu mit warmer mattigkeit
bis du versinkst bis auf des schlafes sohle

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.