aprilreim

die tulpen strecken ihre kelche
hinauf in richtung himmelblau
was sie da wohl sammeln wollen?
ich weiß es auch nicht so genau

halt ich mein glas unter die quelle
dann tropft ein kühles wasser ein
das ist wohl nicht das ziel der blumen
sie fangen sich den sonnenschein

© 2026, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

irritation

heute in der nacht erschien
ein schwarzer rabe mir im traum
finster wars, kein mond schien dort
und den vogel sah ich kaum

im gegenteil, zuallererst
erschrak ich durch sein heisres ‚krah‘
ich äugelte dann ziemlich lang
ins schwarz bis ich ihn endlich sah

und eigentlich sah ich auch gar
nicht ihn, nur seinen silbern blick
ich schaut ihn an und nickte leicht
und meint, er nickte auch zurück

das war es schon, und mehr ist dann
auch wirklich gar nicht mehr passiert
als was ich grade schilderte
und doch hat es mich irritiert

nein, nicht das ‚krah‘, das silberaug
des raben in der dunklen nacht
doch warum hab ich die im traum
denn nicht im warmen bett verbracht?

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lenz

der sonne kraft hat zugenommen
wir spüren mehr von leichtigkeit
an offnen blüten summen bienen
der tag lässt sich nun länger zeit

fort nun mit diesen dicken jacken
die uns im winter eingezwängt
haut spürt den kuss der sonnenstrahlen
wenns herz an andre küsse denkt

in kahle äste mischt sich grünes
zum weckruf wird der vogelsang
die fenster bleiben länger offen
ach, dieser duft! o dieser klang!

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endpunkt

da sitzen sie sich gegenüber
und schaun betreten auf den tisch
dort steht serviert die lieblingsquiche
doch die begeistrung ist vorüber

sie stochern rum auf ihren platten
wie in ihrer sprachlosigkeit
und fragen sich: zu welcher zeit
entfloh, was sie gemeinsam hatten?

sie heben wie in alten tagen
das weinglas so als könne das
die antwort finden auf das was
sie sich doch schon so lange fragen

sie leeren es um vieles schneller
als es ihnen grad noch gut tun würde
doch leichter wird drum ihre bürde
nicht, und keine antwort heller

da sitzen sie sich gegenüber
die quiche ist längst schon aufgegessen
und beide merkten währenddessen
die zeit gemeinsam ist vorüber

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draufblick #FreitagsTexterei

ich bin so hart
bin mineral
gehoben vom feuer
der erde
kaum eine kraft
dringt in mich ein
seit ich ein
felsen werde

was hab ich alles
schon gesehn
überblicke nicht
nur weiten
ich sah das leben
kommen, gehn
auch gutes und
schlechte zeiten

ein spalt zieht sich
nun durch mich hin
und spaltet auch
mein denken
warum die menschen
dieser welt
sich so viel
grauen schenken

schau nur hinab
was mich geteilt
mit stetem
dunklem tosen
darin ist salz
seit anbeginn
in tränen wurds
vergossen

es fließt die
ganze zeit vorbei
und sammelt sich
im meere
wie schön wärs
kämen mehr aus tränen
deren ursprung das
glück doch wäre

impuls: #FreitagsTexterei

foto: Edith Mair@edithmair1@social.tchncs.de

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