berichte von einsamkeit

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sie wusste nicht
wie das geschehen konnte
wurde sie doch einst
so viel berührt
an leib und seele
den momen tgenießend
immer aufs neue
sie erinnerte nicht
wann es das erste mal
war dass sie
so verletzt sich fühlte
und der panzer
zu wachsen begann
dass nun unberührbar
wohl zu sein schien
und sie nur noch lebte
von den brosamen
der erinnerung

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hospiz

für ute

schaue ich sie an
sehe ich ein leben
sehe die mühsal des
erwachsenwerdens
bar aller wurzeln
freudige momente auch
sehe ich augen die
wach in die welt blicken
wissbegierig und hell
ich sehe die frau
mit ihren kindern
ihrer katze dann später
ihre kleine wohnung
oft mit besuchern gefüllt
sehe ihre geradlinigkeit
ihre herzlichkeit
ihre verletzlichkeit
die zeit als sie nur
durch klinikschläuche lebte
als sie mehr und mehr
zu verschwinden drohte
all das sehe ich
in ihrem kleinen gesicht
mit dem müden blick

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erinnern

früher fand ich
deine spur im schnee
ganz leicht
sie führte
zu mir
später kreuzte ich
sie manchmal noch
zufällig
irgendwann vermisste
ich nicht mal
den schnee
früher fand ich
deine spur im schnee
ich musste daran denken
heute im schnee

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mutter

wie du doch
kleiner wist
jedes jahr mehr
ein wenig
gebeugter ein
wenig weniger leicht
wie dein leben
kleiner wird
jedes jahr mit
den letzten malen
die immer auch
erste sind und
fremd sich anfühln
so wie du jetzt
des öfteren
fremd dich fühlst
in der welt die
die du anders
erinnern willst

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deshalb

sag
was ist
so schlimm daran
dass ich jetzt
in nackten zweigen
nach knospen schaue
will ich doch nur
ganz sicher sein
dass unser noch
ein frühling
harrt

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