geöffnet

man
sollte meinen
die natur müsse
verwaist sein
alle welt
ergießt sich in
die engen gassen
der stadt
erinnert an einen
späten spaziergang
zu ostern
nur
das gewitter
ist neu

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wählscheibentelefon #lyrimo No. 29

hoch über dem kasten
thronte in der doppelgabel
das schwarze ungetüm
könig des wortes
angepflockt kabelweise
am bakelitenen apparat
hast du die nummer?
finger wandern in
der wählscheibe
unterschiedlich weit
das warten wenn sie
geräuschvoll zurückdrehte
bis die nächste ziffer kam
entschleunigend den prozess
oder nervenzerrüttend
wenn der finger beim
letzten dreh falsch lag
alles auf anfang…
endlich dann die
richtige wahl und
das zeichen
irgendwann
etwas fremd
die vertraute
stimme

impuls: „telefongespräch“

alle texte lest ihr hier: nutze die möglichkeiten

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vom wege

mit nassen fingern
tropft der winter nun
von den dächern
taktet den abschied
in platschende momente
macht aus weißen wegen
weiches milchglas erst
dann kleine meere
die ersten giebel
tragen amsel

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intermezzo

der himmel
hängt tief im land
windspiele versuchen
bäume zu versetzen
sähen leichtfüßige
weiße tänzerinnen
die ins geäst
sich krallen
morgen bringt ein
neuer tag alles
ins fließen

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riquet-haus

durch
schallvorhänge von
worten und besteck
auf porzellan
ab und zu
belcanto
unter dunklen balken
in deren schwere
die schnitzereien
beinahe zierlich
sich gerieren
schwebt licht
in art déco
in allen düften
von kaffee
ab und zu
ein belcanto
an der außenwand
die elefanten
wächter des hauses
schauen ungerührt
auf das hektische
treiben der stadt
drinnen ab und zu
ein belcanto

riquet-haus

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