einer legende #lyrimo No. 30

die großen brummer sind selten geworden
als kind staunte ich über die geschichten
die von den maikäferjahren berichten
ich erlebte sie niemals mit ihren rekorden

so blieb der maikäfer für mich chimäre
von den buben onkel fritz ins bette gesetzt
und von reinhard besungen im nachruf zuletzt
als ob er ein reines hirngespinst wäre

nun schreibe diesem krabbler ich ein gedicht
maikäferkinderjahre erlebte ich nicht
doch grad dieses jahr sah ich zwei seiner brüder

ich freute mich an ihnen fast wie ein kind
die so selten und kurz nur zu sehen sind
immer hoffend, sie kehren mal wieder

impuls: “maikäfer”

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© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

unter der alten kastanie

die glanzlackierten braunen knospenspitzen
an den kastanienzweigen rissen heute auf
bevor grünhändig sie im himmel fingern
setzen sie ihren häuptern kerzen auf

wenn dann den zweigen grüne igel wachsen
wird dieses jahr schon längst erwachsen sein
des sommers füllhorn schenkt dann reich ernte
und läutet zeiten eines großen wandels ein

der baum wird in der zwischenzeit viel sehen
ich werde sicher ihn ganz oft passieren
die amseln ziehen zweimal kinder auf

hunde schnüffeln am stamm das weltgeschehen
in seinem schatten wird wer einen kuss riskieren…
und plötzlich ist das jahr im zieleinlauf

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

frisches laub

ach könnt ich einfach mich entfalten
wie diese blätter an den linden
könnt ich so leicht die frische finden
nachdem getrennt ich mich vom alten

wenn in des lauen frühlings tagen
natur will aus den nähten platzen
und in den sträuchern vögel schwatzen
dann stelle ich mir solche fragen

warum ich es im herbst nicht schaffe
nach gut gelebten warmen zeiten
den alten kram auszusortieren

und so staune ich und gaffe
wie die bäume grün ausbreiten
das im herbst sie doch verlieren

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

november-elegie

das jahr wird nun schon langsam schal
ganz trüb ist es und abgestanden
zuweilen sucht ein sonnenstrahl
sommererinnerung zu landen

den parkflaneuren ist der hals
von wollstrickboas nun umwunden
geh nur recht zeitig! andernfalls
verpasst du schnell die hellen stunden

der mond schaut so kalt und klirrend
auf uns aus seinem weltenraum
und orion wandert eisig flirrend

des nachts durch meinen wintertraum
schau ich zum fenster morgens hin
ließ dort der frost die blumen blühn

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

oktober

ich schlendre raschelnd auf den bunten wegen
der teppich blättert den der herbst uns ausgerollt
die beletage der bäume ist recht fadenscheinig
als hätt die sonne auch bei tiefstand freie sicht gewollt

frühmorgens ist die welt noch blind in meinen augen
gut dass die fallende katanie mich nicht fand
zum schutz besinnt man sich wieder auf schirme
am waldesgrund sind auch bei sonne welche aufgespannt

die welt lässt jeden tag mich neu erstaunen
ich schau auf farben, licht und grobe wetterlaunen
und klaube mir altweibersommer aus dem haar

bald wird der goldne ton des lichtes grau verblassen
der kalte winter wird uns dann erfassen
dieweil ich mich schon freu aufs neue jahr

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.