irritation

heute in der nacht erschien
ein schwarzer rabe mir im traum
finster wars, kein mond schien dort
und den vogel sah ich kaum

im gegenteil, zuallererst
erschrak ich durch sein heisres ‚krah‘
ich äugelte dann ziemlich lang
ins schwarz bis ich ihn endlich sah

und eigentlich sah ich auch gar
nicht ihn, nur seinen silbern blick
ich schaut ihn an und nickte leicht
und meint, er nickte auch zurück

das war es schon, und mehr ist dann
auch wirklich gar nicht mehr passiert
als was ich grade schilderte
und doch hat es mich irritiert

nein, nicht das ‚krah‘, das silberaug
des raben in der dunklen nacht
doch warum hab ich die im traum
denn nicht im warmen bett verbracht?

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beteigeuze

orion
du musst
vorsichtiger
sein
es ist märz
der sonne strahlen
wirken schon
deine schulter
gerötet als hätten
diese dich gebrannt
gut dass die
dunkle nacht
dich kühlt

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heute kein wort an dich

heut möchte ich nicht von dir schreiben
dafür war mir mein tag zu schwer
ich konnt dich leider nicht entdecken
der abendhimmel wirkte leer

mich hatte dieser tag beladen
mit reichlich schwere, last und pflicht
hätts gern im zwiegespräch gebeichtet
du warst nicht da. so tat ichs nicht

was nützt es mir, dass du spätnächtens
am himmel strahlend dann flanierst?
längst nimmt mich morpheus in die arme
ich schlafe, wenn du mich passierst

und deshalb werd ich heute sicher
mein denken widmen anderm kram
mein wort werd ich nicht an dich richten
und hoffen du bist mir nicht gram

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on/off

ich hatte mich
doch gerade
an dich gewöhnt
nun löst du
dich wohl langsam
wieder auf
entziehst dich täglich
mehr meinem blick
als sei ich
dir zu nah gekommen
dabei trennen uns
doch mindestens
fünf
hundert
siebenundneunzig
millionen schritte
(wenn da ein weg wäre)
mach dich ruhig dünne
ich weiß ja
du kommst
zurück

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abendlied im vollmond

der mond hängt im geäst der linde
er hat sein silber frisch poliert
ich schaue hoch und freu mich leise
wie er die dämmerung verziert

er hat sich jeden tag gerundet
jetzt sieht er wie ein taler aus
längst ist er höher schon gestiegen
er patroulliert nun überm haus

wie hab ich in den grauen nächten
mondes unsichtbarkeit verflucht
spähte so manches mal durchs fenster
hab ihn vermisst. nach ihm gesucht

mir ist der mond treuer gefährte
er urteilt nicht, was ich auch tu
und stets wenn ich ihn sehe, mein ich
er zwinkert mir verstohlen zu

wenn ich ihn dort so blinken sehe
mein ich dass leis ein knistern tönt
vielleicht ists auch nur meine sehnsucht
die so mir meine träume schönt

noch immer schau ich in die höhe
der mond glänzt silbrig. das ist schön
ich nick ihm zu, merk, dass ich friere
und werde nun nach hause gehn

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