anmerkung

wie ist die welt so dunkel
macht die gedanken trüb
und keine kraft, die blieb
zu sehn ein sterngefunkel

grau herrscht an allen tagen
lässt manches herz gefriern
die einsamkeit uns spürn
schwer wird es nicht zu klagen

wir sind beschwert mit bleien
und kriechen durch die zeit
sind lang noch nicht soweit
uns endlich zu befreien

© 2022, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

ultimo

wenn du
uns heute nacht
verlässt
werde ich
deiner kurz
gedenken
dann aber
meine blicke lenken
auf die zukunft
die da
wartet

nein du
musst nicht ängstlich
sein
weil es
auch schönes
gab
ich zähls
an meinen fingern
ab und
lächle

ich schau
auch gar nicht weit
voraus
will nicht
so viel
erträumen
was in
den uns bekannten
räumen nicht
trägt

wenn du
uns heute nacht
verlässt
werde ich
dir nicht
winken
wirst langsam in
erinnerung sinken
adieu

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

29. dezember

das alte jahr hat sich im grau
der schweren wolken eingehüllt
vor tagen weißte schnee das bild
die sonne scheint sehr ungenau

in baumgeästen wachsen krähen
sie sind als einzige grad da
wohin der muntren sänger schar
wohl zog? ich kann hier keine sehen

am müllplatz ist reger verkehr
die pappen stapeln sich zu türmen
nun darf es bitte bloß nicht stürmen
sonst wirbeln sie wie laub umher

die feuchte kälte kriecht hinein
in alle ritzen, alle glieder
ich reib die hände, wünsche wieder
es möge doch ein wenig schnein

das alte jahr hat kaum noch zeit
von guter aussicht keine post
die letzten blüten fror der frost
zum mahnmahl der vergänglichkeit

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

dezember-elegie

das blattwerk wird schon dem kalender schütter
das jahr vergeht, noch eh ich es begreif
der wind weht kalt und und kriecht in alle knochen
das jahr vergeist und wird belegt mit reif

die tage hellen spät und schwinden schneller
die sicht wird mir vom nebelgrau verhängt
an kahlen lindenkronen knospen krähenschwärme
ihr lärm hat allen vogelsang verdrängt

jetzt ist die zeit, da möcht ich mich verkriechen
ich träume nun davon, ich wär ein bär
so richtig satt und warm die kalte zeit verschlief ich
und ich erwachte erst, wenn wieder frühjahr wär

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

samstagabend

der abend kommt, es dunkelt längst
der mond schaut etwas fade
die vorstadtfenster blinzeln müd
ich esse schokolade

die vorstadtfenster blinzeln müd
sie schlössen gern die lider
doch hinter ihrem kalten glas
ließ sich die trägheit nieder

doch hinter ihrem kalten glas
grassiert die langeweile
auf sofas sitzend schaut man film
und hat gar keine eile

auf sofas sitzend schaut man film
und schweigt sich an. gemeinsam
ist man zumindest nicht allein
und dennoch oft sehr einsam

ist man zumindest nicht allein
so kennt man kaum den andern
ich sitze ganz allein zu haus
und seh den mond beim wandern

ich sitze ganz allein zu haus
der mond schaut etwas fade
die vorstadtfenster blinzeln müd
ich esse schokolade

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.