oktober-elegie

die linde trägt nun greisenhaar
dem himmel mangelt es am blau
die sonne macht sich häufig rar
die nächte sind längst nicht mehr lau

das rot der jungfernrebe blättert
auf glänzendgraunassen asphalt
und wenn die temperatur noch klettert
dann macht um die zehn grad halt

öffnet der himmel seine schleusen
will auch die katze nicht hinaus
sinnlos scheint nun die jagd nach mäusen
auch sie bleiben dann gern zu haus

die kerzenflamme müht sich redlich
sonnenersatz mir nun zu sein
ist denn ihr mühen auch vergeblich
will mich ihrer gesellschaft freun

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

wunsch

ich wär gern wie ein platypus
mit schnabel und mit fell
versucht ihr nur mich zu erfassen
nicht eine schublade würd passen
und während dann noch ratet ihr
tauche ich ab ganz schnell

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

an einen baum

sag, was habe ich getan
dass du ständig nach mir wirfst
kleine grüne morgensterne?

streifen stachelnd meine haut
schlagen auf und geben frei
frische glänzend braune kerne

ich schaue lächelnd zu dir auf
ich weiß ja, dass dus nicht so meinst
raschelst sanft mit deinen blättern

ich sammle zwei kastanien auf
steck sie mir in die taschen ein
als handwärmer bei diesen wettern

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

kurzer abriss

sie lebte einsam
jedoch nicht allein
war doch der zweifel
mitbewohner schon seit jahren
hatte sanft einst geklopft
sie ließ ihn ein
und er trieb seine wurzeln
tief in sie hinein

so kam es, dass
allmählich sie als gast
in ihrem haus sich
und im leben fühlte
alle gewissheit festigte
sich längst zur last
dass ihre existenz
zur außenwelt nicht passt

der zweifels früchte
reiften, trieben aus
sie fielen ja auf
gut genährten boden
sie trieben gänzlich
neue blüten aus
und lockten so die angst
zum einzug in ihr haus

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

ent|täuscht

sie saßen bequem in den sesseln
und verstanden die welt nicht mehr
sie hielten sich fest an den händen
und schwiegen doch ratlos einher

sie dachten daran, wie sie damals
sich verliebten mit nur einem blick
nur sich brauchten und niemals mehr andre
und für ewig gemacht schien das glück

doch nun können sie sich nicht erklären
was da schief lief im laufe der zeit
dort inmitten zerborstener träume
mrken sie wie die einsamkeit schreit

in dem wunsch, alles solle so bleiben
froren sie in der illusion ein
die fassade bekam erste risse
und die wirklichkeit tröpfelte ein

und da saßen sie nun in den sesseln
sie erkannten den andern nur schwer
als ihr händedruck langsam sich löste
vermissten sie sich schon nicht mehr

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.