hochsommer

der sommer schwitzt
dem himmel wachsen westlich wolkenberge
grau quellen die ehemals weißen zwerge
zur hoffnung, dass es bald regnet, donnert
und auch blitzt

jedoch ich weiß
der sommer ist ein leichtfuß, der gebrochen
so viele male schon, was er versprochen
das wolkengrau vergeht. wie tröstlich:
es gibt eis

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ambivalent

chume, chum, geselle min*
denn dich, dich muss ich lieben
ih enbite harte din
ich wär so gern geblieben
ich wollte mit dir einfach sein
suzer rosenvarwer munt
doch meine angst macht mich ganz klein
chum un mache mich gesunt
chume, chum, geselle min
ich denke es, seit ich dich sah
ih enbite harte din
doch komm mir besser nicht zu nah!

*der kusiv gesetzte text stammt aus der
carmina burana

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hochsommerabend

der abend hängt die wolken auf
wie festliche girlanden
von sonnenstrahlen sanft erhellt
die hinter ihnen stranden

das licht wird weich. in lauen wind
ziehn mauersegler kreise
sie stärken ihre flügel schon
für ihre lange reise

die farbe blasst im abendlicht
schon wird es eher dunkel
wenn ich heut auch den mond nicht seh
träum ich vom sterngefunkel

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maireim

schneidend kalte lüfte
rütteln an den linden
graue wolkenklüfte
ziehn mit rauen winden

schon ist april gegangen
der himmel verliert tränen
der mai hat angefangen
ich fühle sommersehnen

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ferne.nähe

nein
ich war nicht
vor der tür
(ich bin ja brav)
war nur ganz kurz
nicht bei mir
als ich ihn traf

ist
er auch jetzt
weit von hier
schien er doch da
kamen ja seine
worte mir
unendlich nah

nein
ich war nicht
vor der tür
einsam zumut
dann rief er an
sprach mit mir
und es war gut

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