sommertag

s’ist reisezeit. die lindenkinder trudeln
ganz wild propellernd in die unbekannte ferne
vom wind geleitet reisen sie in rudeln
so unter sich zu sein, das mögen sie wohl gerne

die noch bei mutter linde kleben, denen
droht dunkler himmel dumpf grollend und blitzenden blicks
lässt tränen regnen, will, dass sie sich wähnen
sich selbst beraubend so des einzig wahren glücks

ich sehe sie, ganz starre, ganz mobile
und ich muss schmunzeln, ists doch, dass ich kenne
von beider art auch menschen ziemlich viele
das denk ich, während vor dem sturm ich heimwärts renne

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notiz

erwas passierte
ich weiß nicht wie
vor drei tagen
über nacht
ging etwas entzwei
und nun
schmerzt selbst der
kleinste schritt

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flugsaison

heut kam
der wind zurück
als wüsste er
um sichere beute
und so fährt er
eifrig ins grün
treibt torkelnde
kreisel und
tanzende schirmchen
herauf herunter
vor sich her
jetzt ist die zeit
für flieger

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sommergäste

schrille rufe
wirbeln über dem hof
immer voraus ihren
pfeilschnellen rufern
lang vermisste gäste
zeitmesser des sommers
der gerade erst
beginnen will
und seines endenwerdens
frühes mene tekel
jetzt aber zelebieren sie
erst einmal ihr
luftiges
dasein

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dies irae

irgendwie
schert sich
das leben nicht
um deinen tod
irgendwie
sind die bahnen
die gleichen
irgendwie
muss es sich
ständig bewegen
irgendwie
ruckelt es
von zeit zu zeit
etwas stärker –
über diesen schmerz
der mir blieb
nach dir

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