verwirrung #lyrimo No. 31

ach puck
wem tröpfeltest du
das magische wasser
auf die augen
war es doch jener nicht
der nun sie verfolgt
den sie begehrte
welche verwirrung unter
dem vollen bleichen mond
in oberons reich
tummeln die geister sich
vom übermut geschlagen
unter der schlangenkönigin
strenggütigem blick
und wussten wir nicht
ohne seinen monströsen
kopf längst schon
dass dieser oder jener
ganz sicher ein esel ist?
wenn es nur immer
so leicht wäre
die augen zu öffnen nach
tiefem traumhaftem schlaf
und alles hätte ein
gutes ende

impuls: “sommernachtstraum”

alle texte lest ihr hier: nutze die möglichkeiten

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oberflächen #lyrimo No. 13

hinter
der kalten glätte
spielräume für
trugbilder
der blick erfasst
fremde fassade
schemen von
bekanntem und
vertrauter kontur
beinahe scheint
leben möglich
wie du es zu
kennen vermeinst
in seiner blöße
dämonen die
vielleicht gar
nicht sind
oder aber
beim blick
das glas auch
dein gesicht
was wirst du
erkennen?

impuls: “medientransfer”

medium © by ulli gau café weltenall

alle texte lest ihr hier: medientransfer – innehalten im mai

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kristallkugel

blick
hindurch
die welt darin
hängt von der decke
darunter ein
himmlischer ozean
spürten wir die
schwerkraft nicht
flögen wir

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teichfrühling

ruhig ist es, der wind schlief morgens ein
aus trocknem ried schiebt sich nun frisches grün
nicht lang dann wird der igelkolben blühn
das wird den teichhühnern die kinderstube sein

ein reiher steht einsam mitten im spiegelglas
des teichs, sein bein schreibt in die fläche ringe
wie wenn bei ihm die zeit langsamer verginge
verharrt er starr als ob er längst vergaß…

die ersten bienen torkeln durch das gras
laben sich an der gänseblümchen wonnen
die zwischen halmen tupfen kleine sonnen
wo gestern noch ein kleiner krokus saß

schon hörte ich den ersten krötenlaut
das lange taglicht hat sie längst geweckt
ich sah sie nicht, sie hat sich gut versteckt
hängt perlenschnüre bald unter die wasserhaut

die amsel nimmt am ufersaum ein bad
den nackten bäumen wachsen kormorane
wie ich des sommers fülle schon erahne
der frühling legte längst dafür die saat

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im museum

es ist zeit
für betrachtungen
die länger währen
als unser sein
blicken zu folgen die
tiefer gehen als
die hunderten
insta-klicks
eines flüchtigen
nachmittags
es ist zeit
zu erkennen wie
das bild entsteht
im kopf in begriffen
strich auf strich
mit dem pinsel
empfunden
es ist zeit
störungslos zu
gleiten über flächen
in fluchten und
perspektiven
bleib ruhig noch
es ist zeit
genug

impuls: “palais de rohan. zur mittagszeit”, copyright silvia springorum 2014

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