20. juni, 9 uhr abends

die sonne noch
auf hohen lindenspitzen
der große hof
gefüllt mit vielen stimmen
lang werden sie
vielleicht noch draußen sitzen
wie alle sich
doch nach dem sommer sehnten
jetzt scheint er
endlich bei uns angekommen
wie gern sie ihn
am liebsten endlos dehnten
jedoch es zeigt
der mauersegler schnelles leben
dass nichts so
wie es ist auch bleiben wird
drum sollte es
besser kein zaudern geben
öffnet die fenster
weit und lasst den sommer ein
wenn er schon hier
dann nutzen wir ihn besser
bevor wir uns
versehn wird er zu ende sein

© 2025, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

sommergefühl

zwischen den höchsten lindenästen
verfangen sich die letzten strahlen
der sinkenden sonne sattes gold
zieht dahinter die nacht herein

verfangen sich die letzten strahlen
wie die gedanken ungebändigt
zieht dahinter die nacht herein
nur langsam kommt die welt zur ruhe

wie die gedanken ungebändigt
das taggeschehen wird erinnert
nur langsam kommt die welt zur ruhe
vom späten hell zum wach verführt

das taggeschehen wird erinnert
bis es sanft zudeckt dann die nacht
vom späten hell zum wach verführt
warten wir spähend auf die sterne

bis es sanft zudeckt dann die nacht
der sinkenden sonne sattes gold
warten wir spähend auf die sterne
zwischen den höchsten lindenästen

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lein

am langen stiel
tanzt dieses kleine wunder
zierlich,
vornehm blass
das blau seines hauptes
das er tief neigt
nach allen launen
eines übermütigen windes
erreicht es im aufschwung
seinen höchsten punkt
leuchtet er
unvergleichlich
vor der wolken
grau

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haiku No. 489

fast ist mitternacht
ich lausche windgeschichten
ins laub geflüstert

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frühsommer

am hohen himmel plustern hohe wolkentürme
der ungstüme wind ist selten einmal still
sonnenstunden, regen und gewitterstürme
ich meine fast, der juni hält sich für april

die linden blühen und die felsenbirnen reifen
in vielen vogelnestern wächst die zweite brut
im grün das falbe reifender getreidestreifen
der waldsee schläft und träumt von sonnenglut

genießt das satte grün, bevor an hitzetagen
alles bezogen wird von einem grauen staub
einzig libellen noch über den ufern jagen

wenn alles tun langsam erstickt vom vielzuheiß
und spärlich schatten bietet nur der bäume laub
und man sich beinah sehnt nach schnee und eis

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