alt und neu

der alte pulli
fadenscheinig
er wärmte nicht mehr
und kratzte doch sehr
das garn aber
verzwirnt mit neuem faden
gibt eine neue haut
zu wärmen die eigene
was altes was neues
vom klappern des
nadelspiels verdichtet
vielleicht reicht
seine wärme für
einen langen
winter

entstanden im @lyrimo-Projekt “lyrimo-moment – gedicht zum neuen jahr”

alle texte lest ihr hier: Gedichte zum neuen Jahr

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

eigene haut

mürbe
gewalkt von
den takten der zeit
die hülle durchlässig
für lautes und grobes
fadenscheiniges gewebe
darunter alte verletzungen
nur notdürftig verborgen
ein wenig ausgeleiert
und mit knitterfalten
längst nicht mehr wärmend
und immer in gefahr
gänzlich zu
zerreißen

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

am rande

das leben
ein fluss
seichte stellen
in den gleithängen
seiner mäander
während es laut wird
donn wenn etwas
entgegen sich stellt
es hat sandige ufer
und orte verborgen
von schwarzerlen
es birgt kreaturen
und scheint selbst
eine zu sein
ich kann es
beschreiben ich
saß schon lange
an seinen
ufern

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refugium

es ist still
in meiner höhle
singt nur der tinnitus
sein ewig gleiches lied
sonst ist es still
und ich darf nicht
sprechen mögen
lausche nur zuweilen
wenn ich die musik
zum dialog lade
summe ich manchmal mit
dann ist es wieder still
in meiner höhle
tanzt die kerzenflamme
auch in der
stille

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matchbox #lyrimo No. 27

wie winzig sie ist
passt in eine hand
verschwindet in den
dunklen gründen
der taschen
wie empfindlich sie ist
leicht zu zerdrücken
vom regen zu nässen
was sie in sich trägt
zarthölzern leichtes
errötenden kopfes
an ihrer flanke gerieben
licht spendend und wärme
momentweis
oder mit einem
streich imstande
die welt in brand
zu setzen

impuls: “klein und eckig”

alle texte lest ihr hier: lyrimo november 2020

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