nebel

die nebelzungen kriechen aus den wiesen
sie lecken über felder wald und wege

sie saugen aus der welt die letzten farben
und dunkler wird die welt durch graubeläge

es ist fast so als höre man durch watte
wie wenn die sinne lahm es einem lege

auch die gedanken schleichen durch die tage
beschweren dass der frohsinn uns errege

das licht wird rar, um uns die welt wird kälter
so bleibt mir nur die flucht in innere gehege

auch wenn er dämmt, der nebel kann nicht wärmen
doch ist er wert, dass ich mit reimen ihn belege

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

ghasele über löwenzahn

mein weg gesäumt von kleinen sonnen
die überall im randgrün stehen

sie strahlen wie sattgelbe dotter
ich kann sie schon von weitem sehen

es ist egal wie schlimm der tag war
ich lächle im vorübergehen

die sonnen werden greisenhäptig
ihr weiß wird bald der wind verwehen

doch scherts mich nicht, weiß doch, daneben
werden neue sonnen schnell entstehen

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

Reklamation

wenn ich verträumt auf den kalender seh
dann merke ich, dass mir was fehlt: der schnee
da sollte doch schon längst der winter sein
wo ich durch trübe graue tage geh
wo ist der raureif auf den nackten zweigen
warum ist noch kein eis auf unserm see?
wenn doch der wald gar nicht verschneit ist
wie find ich in der dämmerung das reh?
nun geht das jahr in kurzer zeit zur neige
es dunkelt und die kälte zwickt im zeh
und wie ich es auch wende, wie ichs dreh
es ist nicht wirklich winter ohne schnee

© 2019, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

abendghasel

längst ging die sonne schon nach haus
der mond watet im wolkensee

er sieht noch etwas mager aus
und kickt mit seinem rechten zeh

schwungvoll und ernsthaft gut gelaunt
die wolkenwatte fast wie schnee

betrachtet dabei sehr erstaunt
mein schmunzeln, als ich ihn anseh

wir zwinkern beide einvernehmlich
proste ihm zu mit meinem tee

huldvoll nickt er zurück, weil nämlich
er weiß, dass ich nun schlafen geh

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wer weiß. #frapalywo No. 7

immer erfüllst du deine pflicht
ganz sichre bank. vielleicht auch nicht*

bleibst ruhig wenn der hafer sticht
hast dich im griff. vielleicht auch nicht

du hörst gut zu, wenn jemand spricht
suchst zu verstehen. vielleicht auch nicht

du siehst im dunkel stets das licht
so glauben wir. vielleicht auch nicht

für andre übst du gern verzicht
bist großzügig. vielleicht auch nicht.

zum lobe schrieb ich dies gedicht
vertraue mir. vielleicht auch nicht

*impuls: gleiche schlusszeile für alle: „vielleicht auch nicht“ – die zeile stammt aus dem gedicht „windgriff“ von hans magnus enzensberger

alle texte lest ihr hier: #frapalywo tag 7, text 7 – geborgte schlusszeile/geborgte worte

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