bedeckt

einsam kann freitagabend sein
das wochenende bricht herein
heut war ein regnerischer tag
grauschwere wolken zogen ein
sie waren leck und liefen aus
verdunkelten den sonnenschein
nun dämmert langsam schon die nacht
und endlich hält der regen ein
die müdigkeit ist längst mein gast
doch fürcht ich, ich schlaf schwer nur ein
fühle mich einsam, seh ich nicht
des mondes silbrig hellen schein

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

wald

sieh! das portal – es steht dir immer offen
kannst kommen, wann du willst. hol luft, tritt ein
bring alle sinne mit in diese kathedrale
schon bald wirst du vom alltag dich befrein
geh ein paar kilometer, und auf dem weg
wird dein gang wie über einen teppich sein
die vogelstimmen unter dem gewölbe
singen choräle die ein jedes herz erfreun
es ist ein haus aus licht und luft und klang
und kann schon bald ein ort der kraft auch sein

© 2021, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

nebel

die nebelzungen kriechen aus den wiesen
sie lecken über felder wald und wege

sie saugen aus der welt die letzten farben
und dunkler wird die welt durch graubeläge

es ist fast so als höre man durch watte
wie wenn die sinne lahm es einem lege

auch die gedanken schleichen durch die tage
beschweren dass der frohsinn uns errege

das licht wird rar, um uns die welt wird kälter
so bleibt mir nur die flucht in innere gehege

auch wenn er dämmt, der nebel kann nicht wärmen
doch ist er wert, dass ich mit reimen ihn belege

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

ghasele über löwenzahn

mein weg gesäumt von kleinen sonnen
die überall im randgrün stehen

sie strahlen wie sattgelbe dotter
ich kann sie schon von weitem sehen

es ist egal wie schlimm der tag war
ich lächle im vorübergehen

die sonnen werden greisenhäptig
ihr weiß wird bald der wind verwehen

doch scherts mich nicht, weiß doch, daneben
werden neue sonnen schnell entstehen

© 2020, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

Reklamation

wenn ich verträumt auf den kalender seh
dann merke ich, dass mir was fehlt: der schnee
da sollte doch schon längst der winter sein
wo ich durch trübe graue tage geh
wo ist der raureif auf den nackten zweigen
warum ist noch kein eis auf unserm see?
wenn doch der wald gar nicht verschneit ist
wie find ich in der dämmerung das reh?
nun geht das jahr in kurzer zeit zur neige
es dunkelt und die kälte zwickt im zeh
und wie ich es auch wende, wie ichs dreh
es ist nicht wirklich winter ohne schnee

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