doppelwelt #lyrimo No. 2

diese hitze!
ächzt der bootsmann
als wir die letzten
güter stauen
längst ächzt der
rumpf auch in
der ruhelosen see
schnell sollte
es gehen die
sandbänke der bucht
hinter uns zu lassen
noch vor dem sturm
wir ächzen mit
dem hölzernen rumpf
in der sich
bäumenden schwüle
als die glocke
dringlich schlägt
ihr lang und
viermal kurz
dringt durch
unser ächzen im
versuch nicht
zu fallen höre
ich sie wieder
und wieder und
steige an deck
wo die gischt
des harten brechers
mich netzt noch
im fall höre ich
die glockenschläge
bis zum aufschlag
der alles geräusch
in stille wandelt
dann liege ich
schwitznass in
der dunkelheit als
der glockenschlag
mich an die tür ruft
ich hab meinen
schlüssel vergessen
sagst du, ich dachte
du lässt mich heute
nicht mehr herein!

impuls: es klingelt an der tür

alle texte lest ihr hier: es klingelt an der tür

© 2022, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

irrfahrt

zwischen
den welten
pendeln
jeden tag
aufs neue
lavieren in
den fahrrinnen
des lebens
gelegentlich
für das eigene
ein anderes halten
ständig auf reede
der heimathafen
nirgendwo

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alle #lyrimo No. 10

er
ist einer
von vielen milliarden
er sticht nicht heraus
und
doch
braucht es
alle von ihnen
um zu füllen das
meer

impuls: siehst du den tropfen…

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staffa

weit oben
sind die wolken
am nächsten
die der
unbändige wind
stetig treibt
wie die see
weit unten
wieder und wieder
weißgischtig am
basalt leckt
überhaupt
der wind reißt
an allem reißt
die zitternden
blättchen der
winzigen grüns
reißt ein loch
ins grau drin sich
wie fahles dotter
sonnenlicht ergießt
reißt das hell
wieder heraus aus
tiefem himmel
reißt die puffins
vom fels weit hinaus
futter zu suchen
der blick folgt
den horizont suchend
in vergeblichkeit
einzig gewiss der
feste stand auf basalt
geschliffen vom wind
poliert von der see
tausenden zungen
vom grau umhüllt
vom fahlen licht
übergossen in
äußerungen von
ursprung und
kraft

mendelssohn-bartholdy: ouvertüre h-moll op. 26 „die hebriden“

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begrenzt #lyrimo No. 7

dunkelräume
ungewissheiten
durchtauchen
im blindflug
in der enge
kein entkommen
lärmt die maschine
ständige bewegung
nur wo
wohin
kein hafen
sicherheit längst
abgesoffen
im periskop
nachtschwärze
sternenlos
still!
herzschlagmonitor
das leise geräusch
des sonars
banges hoffen
lange schon
alarmerschöpft
auf gleichmaß

impuls: “coronasonar”

alle texte lest ihr hier: coronasonar – lockdownlyrik

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