gedanken im regen

es
wurde leiser
das regenraunen
es ist eher
ein wispern nun
als passte es sich
der dämmerung an
auf zehenspitzen
behutsam schleichend
ein glucksen nur zuweilen
das sich zwischen die
elfenglöckchen
mischt

als es begann
trug es den kraftvollen
mantel des landregens
rauschend und doch weich
und ich dachte an
einsame wege entlang
krautiger gräben
worin frisches wasser
unbeschwert über
die steine springt
und ich dachte an die
leichtigkeit unserer pfade
und an die klarheit
die wir verspürten
(in uns und der weite
der landschaft zugleich)

nun
wurde es leiser
ich höre es wispern
und ich frage mich
wie es geschah

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entwicklung

dass du
dich entfernst
war lange mir
nicht klar
dein bild
verblasst
und es berührt mich
fast nicht mehr
unser abstand wächst
weil du dich nicht
bewegtest

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ambivalent

chume, chum, geselle min*
denn dich, dich muss ich lieben
ih enbite harte din
ich wär so gern geblieben
ich wollte mit dir einfach sein
suzer rosenvarwer munt
doch meine angst macht mich ganz klein
chum un mache mich gesunt
chume, chum, geselle min
ich denke es, seit ich dich sah
ih enbite harte din
doch komm mir besser nicht zu nah!

*der kusiv gesetzte text stammt aus der
carmina burana

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dreiunddreißig jahre

meinem sohn

nein
da war
kein plan
da war erst
auch zweifel
war ich meiner
doch selbst
nicht sicher
und es war
innehalten
hinein horchen
kennenlernen
und wachsen
gemeinsam
als du dann
deinen eigenen
atem schöpftest
blieb ich die
ich war und
wurde doch mehr
(vorher wusste
ich nichts
von liebe)
wir wachsen
aneinander
wir sind
noch immer auf
dem weg

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zum abend

leg deine hand
auf meinen arm
bring mich heim
zu mir selbst
lass lehnen mich
in dein schweigen
und ruhen in
deinem blick

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