berichte von einsamkeit

5

der
dritte drink
sie hielt sich
fest daran
im spiegel
zwischen den flaschen
hinter dem dunklen
abgeranzten tresen
schaute der typ
zu lange schon
schaute auch wenn
sie ihn ansah
und nickte leicht
den nächsten drink
gab er ihr aus
sie schmeckte den
rest von begehren
der ihr früher
sicherheit verlieh
als sie gingen
wusste sie dass
der freie fall morgen
schmerzhaft würde
doch heute
heute ertrank die
sehnsucht im kurzen
rausch

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alt und neu

der alte pulli
fadenscheinig
er wärmte nicht mehr
und kratzte doch sehr
das garn aber
verzwirnt mit neuem faden
gibt eine neue haut
zu wärmen die eigene
was altes was neues
vom klappern des
nadelspiels verdichtet
vielleicht reicht
seine wärme für
einen langen
winter

entstanden im @lyrimo-Projekt “lyrimo-moment – gedicht zum neuen jahr”

alle texte lest ihr hier: Gedichte zum neuen Jahr

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abendschnee

abend überzieht längst die stadt
der himmel streut leichte stille
das sorgenvolle verschwindet
was unsere träume beschwerte

der himmel streut leichte stille
kleine elfen in weißen tutus
was unsere träume beschwerte
wird sanft gebettet und ruht

kleine elfen in weißen tutus
sammeln sich zu weichem teppich
sanft wird gebettet und ruht
was wir loslassen können heut nacht

sammeln sich zu weichem teppich
flocken, jeden laut verschluckend
was wir loslassen können heut nacht
verwischt alle seine konturen

flocken, jeden laut verschluckend
das sorgenvolle verschwindet
verwischt alle seine konturen
abend überzieht längst die stadt

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haiku No.421

die tage sind grau
sehnsucht nach einem lächeln
des uns nächsten sterns

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berichte von einsamkeit

4

am
ende des tages
hatte sie
vielen geholfen
einige gestützt
einige gepflegt
zugehört gelächelt
getröstet auch
sie war viel auf
ihren beinen die
nun im schmerz
nur langsam noch
sie tragen wollten
ihren schlüssel aus der
manteltasche nestelnd
verlor sie unbemerkt
die paar letzten krumen
ihrer energie im dämmern
auf dem treppenabsatz
was machte das schon
sie brauchte sie ja nicht
um im stillen dunkeln
reglos sitzend sich
allmählich ganz
zu vergessen

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