versuch über ein sonett

nun ists der vogelsang der früh die luft erfüllt
und auch am tage hört man wiederholt ihr singen
als wollten sie uns jeder neuen blüte kunde
bringen
davon sich täglich mehr die draußenwelt erfüllt

die stare tragen ihr besterntes ferderkleid stolz aus
die amseln sind am boden ziemlich unvorsichtig
den partner für die brut zu finden ist nun wichtig
die nächsten zeiten werden schließlich anstrengend zu haus

wenn dann die kleinen schlüpften aus dem ei
und hungrig ihre schäbel aufwärts recken
was gibts dann in den nestern ein geschrei!

den armen eltern bleibt fast keine zeit
sie suchen futter in geäst und hecken
bis dann zum ausflug ihre jungen sind bereit

© 2025, stachelvieh. einfach gedanken…. All rights reserved.

elegie #sammelstelle

die augen lechzen sehnsuchtvoll nach farben
die nebelschleier ihnen vorenthalten
das dumpfe schleicht sich tief in die gedanken
als stünde alles still und blieb beim alten

ich kann mich selbst zur sehnsucht nicht erwärmen
als wäre jede zukunft hoffnungsloser traum
käm doch die sonne endlich die natur zu wecken
welch zeichen wär das erste grün am baum!

dann könnte vielleicht zuversicht auch sprießen
dass was da kommt für uns zu schwer nicht wäre
mut würde durch die adern wieder fließen

wenn man erinnerte, das nichts für ewig währe
man richtete sich auf, begriffe seine größe
während melancholie im morgenlicht zerflösse

impuls: medientransfer
samuel barber: adagio for strings op. 11

alle texte lest ihr hier: sammelstelle für poetische momente

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herbstabend

nacht
gleichmacherin
lichtlos
haltlos für
augenblicke
fehlen kanten
und kontraste
kommen hervor
nur wo einer
ein licht
sticht ins
tuch aus
schwärzestem
grau

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bei kerzenlicht

das flämmchen
tanzt
mit sich allein
sanft kreiselt es
auf spitze
nach einer musik
die es wohl tief
in sich trägt
ich schaue ihm zu
staune und weiß doch
mit ihm tanzen hieße
verbrennen

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verabredung

regungslos
den kragen aufgestellt
tief in den taschen
des alten mantels
wärme suchend
steht er
fahl sein gesicht
mit dem dunklen blick
mustert er das pflaster
in das der regen
dunkle flecken wirft
feuchte kälte hüllt
alles hüllt auch ihn
in reglosigkeit
wartet er still
die tür bewegt ihn
sich öffnend dem
jungen der ihm freudig
in die arme fliegt
später schreiten dann
zwei menschen würdig
gemeinsam in ihren
nachmittag

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